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ASJ-Berlin: Redebeitrag zum 1.Mai 2009

2007 gab es eine Initiative von Jugendlichen innerhalb der Freien ArbeiterInnen Union für eine bessere Vernetzung von Jugendlichen in der FAU. Aus dieser Vernetzung wurde recht schnell der konkrete Wunsch, sich Lokal mit Jugendliche zu Organisieren. Im Januar 2009 fanden sich hier in Berlin einige Jugendliche zusammen und beschlossen die ASJ-Berlin zu gründen. Dies geschah im April. Gleich im April organisierten wir eine Blockade auf der Berliner Wassermesse. Die leider abgeblasen werden musste. In Husum riefen Genossinnen zu Bildungsstreiks auf, welche spontan auf drei Schulen übergriff. In Zukunft ist auch auch die Beteiligung an den Bildungsstreiks denkbar. Wir von der ASJ Berlin fragen uns:

Warum soll Mensch am 1.Mai noch demonstrieren? Für die Bonzen des DGBs schien die Arbeitswelt bisher ja noch in Ordnung zu sein. Vielleicht liegt es auch daran, dass der 1.Mai in der Bundesrepublik mehr und mehr zum Zustimmungsritual zu den bestehenden Verhältnissen verflacht ist. Die Entmündigung am Arbeitsplatz und in der Schule hat sich auf der Straße fortgesetzt. Viele Menschen sehen keinen Sinn mehr darin, an diesem Tag organisiert Widerstand zu zeigen. Für uns gibt es dennoch genug Gründe am 1. Mai zu demonstrieren. Was uns hier, und viele andere auf der ganzen Welt auf die Straße treibt, ist das Bedürfnis, kein Rädchen in der großen Maschine zu sein, sondern frei von Ausbeutung und selbst bestimmt zu leben.
Die Konzerne setzten längst auf internationaler Ebene ihre Interessen durch und tragen diese . Auch jetzt in der Krise auf dem Rücken des einzelnen Menschen und verschiedener Bevölkerungsgruppen aus, wie zum Beispiel RentnerInnen, SchülerInnen, Arbeitslosen und LeiharbeiterInnen.

Dabei wurden International als auch in den einzelnen Ländern, Menschen gegeneinander ausgespielt:
Männer gegen Frauen, inländische gegen zugezogene ArbeiterInnen, jung gegen alt, Festangestellte gegen LeiharbeiterInnen. Die Ausbeutung ist heute nicht beendet, sondern veränderte nur ihr Gesicht: Sozialabbau, Umschulung, Leiharbeit, Arbeitslosigkeit in den Industrieländern, Streikverbot und Streiksabotage, Massenverarmung in den Ländern der sogenannten 3. Welt. Zwei Seiten der Selben Medaille.

Wir als AnarchosyndikalistInnen demonstrieren hier am 1.Mai nicht dafür, dass die kapitalistische Stechuhr gegen eine sozialistische eingetauscht wird, sondern für die Abschaffung jeder Form fremdbestimmter (Lohn-)Arbeit.
Lohnarbeit reduziert die Menschen zu Material, was man herumschlagen, flexibilisieren oder entlassen kann.
Im Gegensatz dazu kämpfen wir für selbst bestimmtes Arbeiten und Leben in selbst verwalteten, von unten organisierten Strukturen, für eine an den Bedürfnissen der Menschen und nicht am Profit orientierte Produktion und für eine Gesellschaft, in der die Betroffenen alle Entscheidungen gemeinsam und solidarisch fällen.

Dies kann z.B. in Form von Syndikaten – autonome gewerkschaftliche Zusammenschlüsse – erreicht und verwirklicht werden. Wenn wir uns effektiv gegen die herrschenden Verhältnisse zur Wehr setzen wollen, müssen und können wir gut auf die sozialpartnerschaftlichen und staatlichen Organisationen verzichten.

Als AnarchosyndikalistInnen ist unser Verständnis von Klasse viel breiter gefasst als das reine Reduzieren auf IndustriearbeiterInnen. Es umfasst alle Menschen der arbeitenden Klasse, ob prekarisiert, ob ZeitarbeiterIn, JobberIn, Illegalisierte, Selbstständige, Erwerbslose oder Festangestellte und Facharbeiter. Wer seine Arbeitskraft als Ware auf dem Markt anbieten muss und an das Kapital verkauft, gehört für uns zur arbeitenden Klasse. Anders als beim DGB geht es für uns nicht nur um ein paar Prozent mehr Lohn. Als AnarchosyndikalistInnen stehen wir für die Abschaffung des Zwangs zur Lohnarbeit und die Überführung von privatem und staatlichem Besitz an Produktionsmitteln in die Arbeiterselbstverwaltung. Das geht nur auf revolutionärem Weg, über Selbstverwaltung und Selbstorganisierung!

Lohnarbeit ist und bleibt Arbeit für fremde Interessen, für Profite, die nicht der Mehrheit der Menschen zugute kommt. Der weltweite Kampf um die Umverteilung des Reichtums, von dem nur die reichen Schichten der nördlichen Industrieländer profitieren, fordert mit der Abschaffung des Kapitalismus nicht nur das Ende der materiellen Ausbeutung, sondern immer auch die Aufhebung der Entfremdung, das Recht, über Form und Inhalt der eigenen Arbeit zu bestimmen.
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Immer wieder höre ich, Wir als Linke haben im Moment keine eindeutigen Antworten auf diese Verhältnisse und müssen uns über Verschiedene Vorstellungen und Perspektiven auseinandersetzen und auf den Staat zugehen.
Wir AnarchosyndikalistInnen betonen, dass wir sehr wohl Antworten und Lösungsvorschläge auf die Krise haben, die wir nach wie vor für richtig halten, wenn es dem Rest der Linken anders vergehen mag, so mag das deren Problem sein. Wenngleich die Linke in einer, durch das Wiederaufkommen des psydostaatskapitalismus ausgelösten Krise steckt, berechtigt dies nicht dazu, die eigene Perspektivlosigkeit auf andere Gruppen zu übertragen. Wir finden es unmöglich, sämtliche libertären und anarchistischen Gruppen, bewusst oder unbewusst, unter diese Perspektivlosigkeit zu subsumieren.
Unser ziel kann keine Freizeitgesellschaft mit punktuellem Tanzen und Demonstrieren sein, sondern nur die Selbstorganisation und Selbstverwaltung in allen Lebensbereichen. Unsere Antwort sehen wir im anarchosyndikalistischen Weg der Selbstorganisation und Selbstverwaltung, dem Aufbau unabhängiger Gewerkschaften als einen weg zu einer Klassenlosen Gesellschaft.

In diesem Sinne hört auf zu heulen und fangt an euch selbst zu organisieren.

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