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Anarchie im Straßenverkehr ...

... funktioniert. Es wird im Folgenden aus der WDR5-Sendung "Leonardo" vom 30. Juni dokumentiert

Shared Space in Bohmte
Bringt ein Straßenverkehr ohne Regeln mehr Sicherheit?
von Angelika Tannhof
O-Ton:
„Wenn man möchte, dass die Leute sich benehmen wie in einer Kirche, dann
muss man eine Kirche, keine Disco.“
Sprecher: Ein holländischer Verkehrsplaner, Hans Monderman entwickelte ein ganz
neues Konzept – weniger Regeln für mehr Sicherheit. Daraus wurde das EUGeförderte
Projekt „Shared Space“. Als erste deutsche Gemeinde beteiligt sich
Bohmte in Niedersachsen.
Sprecherin: Die Idee ist, die Aufteilung in Fahrbahn, Fußweg und Radweg
abzuschaffen und auch weitgehend auf Ampeln oder Straßenschilder zu verzichten.
Das bedeutet, der Raum gehört wieder allen Verkehrsteilnehmern. Und weil keiner
mehr eine eigene Fahrbahn hat und nichts mehr für ihn geregelt ist, muss er sich
wachsam und verantwortungsbewusst bewegen, um seinen Weg zu finden. Auf
Campingplätzen funktioniert das schon sehr gut. Hans Monderman:
O-Ton:
„Jeder weiß ja, wenn er auf den Campingplatz fährt mit
dem Wagen, dass man das sehr vorsichtig macht. Da sind
ja so viele Augen auf sie gerichtet, und sie wissen ja, dass
sie Teil dieses Campingplatzes sind. Eigentlich müssen wir
aus einem Dorf wieder ein Dorf bauen, so einfach ist es.“
Sprecherin: An über 100 Stellen wurde in Holland schon umgebaut, mit Erfolg. Die
Unfallzahlen gingen deutlich zurück und die Leute mochten das neue Gefühl, dass
das wieder ihr sozialer Raum ist, kein Autoraum.
Als erste deutsche Gemeinde hat das niedersächsische Städtchen Bohmte einen
Teil seiner Ortsdurchfahrt nach Shared Space-Kriterien umgebaut.
© Westdeutscher Rundfunk Köln 2008
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vervielfältigt, verbreitet noch öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht) werden.
Sprecherin : 12.000 Autos fahren täglich mitten durch den Ort, dazu noch 1000
Laster. Viel Lärm, Unfälle, Radfahrer, die sich nicht auf die Fahrbahn trauen und sich
mit auf die viel zu engen Gehwege quetschen. - Bohmte hat die typischen Probleme
eines Straßendorfs ohne Ortsmitte. Es musste etwas passieren. Bürgermeister Klaus
Goedejohann war schnell von Mondermans Ideen überzeugt. Warum es nicht mal in
Bohmte mit „Shared Space“ versuchen?
O-Ton:
„Zugegeben, wir sind natürlich einen forschen Weg gegangen, gegangen,
aber das muss man auch tun, wenn man gewisse Entwicklungen auf den
Weg bringen will, die auch mal vom Gewöhnlichen abweichen. Vielleicht ist
es etwas, was auch vielen anderen Städten und Gemeinden in Zukunft
helfen kann, die Verkehrsprobleme zu entschärfen.“
Sprecher: Am Anfang war viel Überzeugungsarbeit nötig. Eltern hatten Angst um ihre
Kinder, die Händler um ihre Umsätze. Aber dann sind – mitfinanziert von der EU - die
Bagger angerückt. Vor der schönen alten Kirche sind die Bürgersteige, fast alle
Schilder und eine Ampel verschwunden. Statt des Asphalts wurde bis an die Fenster
der Wohnhäuser, des Gasthofs und der Läden Pflaster verlegt. Es gilt nur noch eine
Regel – rechts vor links.


Quelle: Manuskript der Sendung

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