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4. Treffen im Tessin

Bei strahlend schönem Spätsommerwetter hat am 12. September in Bellinzona bereits das 4. Treffen für eine kämpferische ArbeiterInnenbewegung stattgefunden. Vor allem der Aufbau, das BfS/MPS und die Leute vom Streikkomitee hatten sich ins Zeug gelegt, um kämpfende ArbeiterInnen und UnterstützerInnen einzuladen. Da das Allgemeine über dieses Treffen bereits in einem Artikel in der Direkten Aktion (DA, www.direkteaktion.org) beschrieben wird, sollen hier nur zwei dort präsentierte Beispiele aus Österreich und aus Deutschland vorgestellt werden.

Siemens (Österreich)

Die Softwareentwicklungsabteilung von Siemens Österreich ist innerhalb von sechs Jahren von 3‘500 auf heute 2‘200 Angestellte zusammengeschrumpft worden. Dabei wurden viele der Temporären entlassen, die wie so oft nur schlecht oder gar nicht organisiert waren. Dazu kommt der Umstand, dass im österreichischen Gesetz festgeschrieben ist, dass Festangestellte nur entlassen werden dürfen, wenn keine Temporärarbeitende, die die gleiche Arbeit erledigen, mehr im Betrieb sind. Einige fingen im Zuge der Entlassungswellen an, sich über Netzwerk IT zu organisieren. Mobilisierend und stärkend war dabei der Film „Giù le Mani!“ über den Streik in Bellinzona, der zwei Mal nach und einmal während der Arbeit gezeigt wurde. Von Rolf, dem Vertreter der kämpfenden Siemens-Angestellten wurde auch betont, dass es für viele ein Aha-Erlebnis war, zu sehen, wie die Leute von der Officine dem Versuch, die Belegschaft mit Sozialplänen zu ködern, entgegentraten. Die Vertretung läuft vor allem über einen normalen Betriebsrat, der in drei ungefähr gleich grosse Fraktionen geteilt ist (konservativ, sozialdemokratisch, grün-alternativ). Rolf erzählte, dass er jeweils nach den Sitzungen des Betriebsrates eine Infoveranstaltung organisiert, zu der rund 30-40 Leute kommen. Der Betriebsrat sei aber auch über persönliche Kontakte mit den Angestellten in Kontakt. Bei Massenentlassungen oder anderen wichtigen Ereignissen gibt es Betriebsversammlungen, bei welchen die Forderungen der Belegschaft in eine Resolution geschrieben werden. Die Betriebsversammlungen wuchsen kontinuierlich – von einigen hundert bis heute rund 1‘500 Leute. Ein Erfolg für die Belegschaft kam nach einer geplanten Entlassung von 500 Leuten: Der Betriebsrat forderte in einer Resolution die Rücknahme der Entlassungen, es wurde weiter Druck aufgebaut und schliesslich ein bis zwei Tage gestreikt. Darauf konnten die Leute weiter bei Siemens arbeiten. Bis heute gab es keine neuerlichen Kündigungen, da bei jedem solchen Plan mit Streik gedroht wurde und bisher zwei grosse Demos vor den Siemens Österreich-Hauptsitz und eine vor das österreichische Parlament gemacht wurden.

UPS (Deutschland)

United Parcel Service (UPS) ist ein privater Postdienstanbieter, der in Deutschland rund 15’000 MitarbeiterInnen hat. Im vorgestellten Betrieb arbeiten rund 600 Leute. Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene „Klassen“ von Angestellten bei UPS, die ZustellerInnen, die normale Arbeitsverträge haben und für Hilfsjobs – also Ungelernte – gut verdienen und dann gibt es die in der Paketsortierung Angestellten: Hier arbeiten fast nur junge Männer - zu prekären Bedingungen. Die Verträge laufen auf 2-3 Stunden pro Tag, aber real wird bis zu zehn Stunden gearbeitet. Die Zahl der MigrantInnen an diesem Teil der Belegschaft ist sehr gross. Wenigstens seien aber auch diese Löhne relativ gut bezahlt. Die Fluktuation beträgt im Schnitt fast 100% (d.h. fast die ganze Belegschaft wird in einem Jahr erneuert). Die ZustellerInnen bleiben recht lange, während die SortiererInnen zwei bis vier Mal pro Jahr ersetzt werden – die Frage war also zuerst einmal, wie man in einem solchen Betrieb Strukturen aufbauen kann. Bei UPS, das neben McDonald’s und Starbucks das Union-Busting wohl am schärfsten betreibt, geschah dies über die Forderung nach einem Betriebsrat. So wurde erreicht, dass sich etwas bewegt und die Leute sich solidarisieren. Zuerst weigert sich UPS jeweils einen Betriebsrat einzuführen. Dann, wenn der Druck zu gross wird, führt UPS einen manipulierten Betriebsrat ein. Der Betriebsrat wird durch verschiedene Methoden gesteuert, dazu gehört Mobbing, Befehlsweitergabe über die Betriebshierarchien und Druck des Unternehmens auf einzelne ArbeiterInnen. Zusätzlich werden Organiser von Privatdetektiven belästigt, ihnen wird gekündigt oder sie verlieren einen Teil des Einkommens, da sie nur noch die vertraglich festgelegten Stunden arbeiten können. Wie lässt sich unter diesem Psychoterror der Druck auf das Unternehmen aufrechterhalten werden? Die Leute bei UPS haben mit Betriebszeitungen, Flugblättern und ähnlichem einen Weg gefunden, wie sich die Angestellten nicht offen für die Gewerkschaft aussprechen müssen, aber trotzdem die Infos erhalten und mit ihr sympathisieren können. Auf der anderen Seite treffen sich die UPS-GewerkschafterInnen regelmässig, um sich auszutauschen und sich den Rücken zu stärken. Zusätzlich wird eine sehr offene Politik gegenüber den Medien gefahren: Es wird versucht alles in die Medien zu bringen und zu skandalisieren, um zusätzlich Druck aufzubauen.

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