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3000 ArbeiterInnen gegen Conti-Schließungen

Etwa 3.000 ArbeiterInnen demonstrierten am 23. April 2009 vor der Conti-Hauptversammlung im hannoverschen Congresscentum (HCC) gegen die geplante Schließung der Reifenwerke in Hannover-Stöcken und im französischen Clairoix, darunter auch GenossInnen der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT-F aus Frankreich und eine Delegation der FAU-Hannover, die sich mit dem Kampf solidarisch erklärt.

Allein 1.300 KollegInnen waren dazu eigens aus Frankreich angereist, nicht nur aus Clairoix, sondern auch aus dem Werk in Sarreguemines, dem französischen Conti-Stammwerk. „Tous ensemble, tous ensemble“, skandieren die französischen Conti-ArbeiterInnen – „Alle susammen, alle susammen!“ Die hannoverschen KollegInnen skandieren mit, allerdings wesentlich verhaltener. Auf einem Transparent ist dagegen zu lesen: „Wir sind vereint in derselben Wut.“ Das ist bei den ArbeiterInnen aus Frankreich augenscheinlich, bei den deutschen KollegInnen noch lange nicht. Die Stimmung unter ersteren ist gut, kämpferische Parolen werden gerufen, sie sind laut, Böller fliegen.

Traditionell sozialpartnerschaftlich

Vor dem HCC halten Funktionäre der IG BCE und der französischen Gewerkschaften CGT und FO ihre Reden, gespickt mit Schimpfkanonaden auf Chefs und Aktionäre. Als der IG BCE allerdings betont, dass die Conti-Beschäftigten doch eigentlich mit den Bossen in einem Boot säßen, stößt der Zirkus auf den Unmut der französischen KollegInnen. Unterdessen läuft drinnen, geschützt von einem riesigen Polizeiaufgebot und Absperrgittern, die Conti-Hauptversammlung.

"Französisch lernen" verboten

Im Vorfeld hatten Medien und Polizei wahre Horrorszenarien entworfen, um die Angst vor den "unkontrollierten Franzosen" zu schüren. Nachdem am 21. April ein Gericht die Klage von Gewerkschaften gegen die Standortschließung in Clairoix abgewiesen hatte, war ein Verwaltungsgebäude von wütenden Conti-ArbeiterInnen gestürmt worden. Hunderte Angestellte drangen in die Präfektur von Compiégne ein und verwüsteten Büros. Am Standort selbst waren Scheiben eingeworfen worden (Video-Clip: Conti-ArbeiterInnen begrüßen einen Manager).

Polizeibehörden kündigten deshalb an, die französischen ArbeiterInnen mit einem Informationsblatt über das deutsche Demonstrationsrecht empfangen zu wollen - damit sie erst gar nicht auf die Idee kämen, sich wie zu Hause zu fühlen. In Frankreich kam es in den letzten Wochen und Monaten immer wieder zu Ausschreitungen und "Geiselnahmen" von MangerInnen durch ArbeiterInnen nach der Bekanntgabe von Schließungsplänen anderer Unternehmen.

Absage an FunktionärInnen

Als eine Jazzcombo vor dem HCC zu spielen anfängt, um das traditionelle DGB-Bratwurstessen-Statt-Kämpfen-Flair zu verbreiten, sehen sich viele französische KollegInnen verwundert an. Als sich der Großteil der hannoverschen Beschäftigten zum Ärger der FunktionärInnen gelangweilt Richtung Stadt absetzt, schließen sich ihnen viele an. Vor dem HCC harren lediglich 600 Leute aus, um die AktionärInnen auszupfeifen, die ihre Nasen vor die Tür stecken.

Managerträume auf dem Reißbrett

Im HCC erklärt Conti-Chef Karl-Thomas Neumann derweil, dass kein Weg an den Werksschließungen vorbeiführe. Und es gäbe danach noch immer "Überkapazitäten", die es abzubauen gilt. Eine Verlängerung der Kurzarbeit, von der Ende April die Hälfte der Belegschaft in allen deutschen Werken betroffen sei, werde das Ende nur hinauszögern.


Nandor Pouget (FAU-Hannover)



Die französischen KollegInnen bei der Abfahrt in Hannover. Selbst jetzt war noch die Nervosität der Gewerkschaftsfunktionäre der IG BCE zu spüren, die zusammen mit großen Mengen Bahnbeschäftigten und der Polizei versuchten, die "unberechenbaren Franzosen" möglichst schnell wieder in den Zug zu bekommen. Für uns war das noch mal eine gute Gelegenheit für eine Runde Parolen: «Qui sême la misere recolte la colère» - «Wer Elend säht, wird Wut ernten»

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