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Starbucks am Pranger

Auf mehreren Kontinenten protestieren am Sonnabend Gewerkschafter gegen die beschäftigtenfeindliche Politik der weltweit größten Kaffeehauskette
Starbucks am Pranger

Globaler Aktionstag gegen Union Busting bei Starbucks

Cole Doresey ist sich sicher: »Am 5. Juli werden Menschen in aller Welt Starbucks zeigen, daß wir eine Stimme haben«. Doresey, ehemaliger Mitarbeiter der weltgrößten Kaffeehauskette aus Grand Rapids im US-Staat Michigan, war am 6. Juni nach zwei Jahren Beschäftigung beim Kaffeemulti vor die Tür gesetzt worden. Grund: Er hatte sich in der Starbucks Workers Union (SWU), der Gewerkschaft für Mitarbeiter dieses Konzerns, organisiert. Nicht anders erging es Monica, einer »Barista« (so die offizielle Funktionsbezeichnung des Konzerns für die Kaffeeverkäufer) im spanischen Sevilla. Sie verlor wegen der Mitgliedschaft in der Confederación Nacional del Trabajo (CNT) im April ihren Job.

Beide Fälle sind nur die jüngsten in einer langen Kette von Repressa­lien Starbucks’ gegen gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte. Deshalb haben sich CNT und SWU zusammengetan und den 5. Juli zum internationalen Starbucks-Aktionstag erklärt. Ihrem Aufruf folgen Gewerkschafter aus aller Welt: Von Argentinien über Serbien bis hin nach Japan sind Proteste vor Starbucks-Filialen angekündigt. Eine erste Solidaritätsaktion fand bereits am 1. Juli in Polen statt: Dort gibt es Starbucks zwar noch nicht, doch der Amrest-Konzern (der in Polen u.a. Burger King und Pizza Hut betreibt) plant in Kürze die Markteinführung. »Es sieht so aus, als gebe es einiges Potential für gewerkschaftliche Organisierung, bevor Starbucks überhaupt eröffnet hat«, beschreibt die Gewerkschaftsaktivistin Laure Akay den Protest am Firmensitz in Wroclaw schmunzelnd.

In Deutschland beteiligt sich die anarchosyndikalistische FAU (Freie Arbeiterinnen Union) in acht Städten – u. a. München, Frankfurt/M. und Düsseldorf – an den Protesten: »Arbeitnehmer haben ein Recht auf Organisierung – auch prekär beschäftigte Schüler und Aushilfen«, heißt es in einem Statement der FAU Bonn dazu. Nicht zum ersten Mal übrigens werden die Gewerkschafter ihre Transparente vor den Starbucks-Filialen entrollen, um die Konzernpolitik öffentlich bekanntzumachen. Bereits in vergangenen Jahren hatten Entlassungen zu internationalen Protesten gegen den Kaffeemulti geführt.

Dank des öffentlichen Drucks und mehrerer Klagen beim US-amerikanischen National Labor Relations Board (NLRB) konnte die SWU bereits einige Erfolge im Kampf gegen den Kaffeegiganten erringen: Entlassungen mußten zum Teil zurückgenommen werden. In New York und Chicago setzte die Gewerkschaft neben höheren Löhnen auch verbesserte Arbeitsbedingungen durch.

Diese sind in den rund 16000 Filialen weltweit in der Regel wenig überzeugend, auch wenn der Konzern in seinem »Mission Statement« verspricht: »Wir schaffen uns ein großartiges Arbeitsumfeld und behandeln uns mit Respekt und Würde«.

Laut SWU hat kein einziger Barista einen Vollzeitsarbeitsplatz und damit in den USA auch kaum eine Chance auf Krankenversicherung. Mit rund 42 Prozent verfügen noch weniger Angestellte bei Starbucks über eine Gesundheitsversorgung als beim berüchtigten WalMart-Konzern, stellt die SWU auf ihrer Homepage klar. Und auch die »faire Bezahlung« ist nach deren Erfahrung »ein Mythos der PR-Maschinerie«. Bei Stundenlöhnen von sechs bis acht US-Dollar und ohne garantierte Mindestarbeitszeit seien viele der Baristas gezwungen, in mehreren Jobs gleichzeitig zu arbeiten, um über die Runden zu kommen. Umso härter wird sie die angekündigte Schließung von rund 600 Starbucks-Filialen treffen, die für 12000 Mitarbeiter das Aus bedeutet. In einer Stellungnahme dazu zeigt sich die SWU tief beunruhigt, daß so »die zahlreichen Fehlleistungen des Managements jetzt zu noch ernsteren Belastungen für die Beschäftigten führen werden«. Die Gewerkschaft bleibt aber dennoch weiterhin kämpferisch, denn sie sieht sich als »Weg, wie Arbeiter eine eigene Stimme bekommen – auf Arbeit und in der Gesellschaft«.


starbucksunion.org

Ergänzung der FAU-Düsseldorf:

http://seccionstarbuckscnt.wordpress.com/
http://cnt.es/sevilla

Protesttag mit Aktion in Polen eröffnet

Dort haben bereits am 1. Juli Mitglieder unserer Schwestergewerkschaft ZSP Flugblätter am Firmensitz von Amrest verteilt. Derzeit gibt es noch keine Starbucks-Filialen in Polen, allerdings will Amrest in Kürze die Marke dort einführen. Die zur berüchtigten Yum! Gruppe gehörende Firma betreibt in Polen bereits andere Systemgastronomie-Ketten wie KFC, Burger King und Pizza Hut. Laure Akai von der ZSP schreibt dazu „Es sieht so aus, als gäbe es einiges Potential für eine gewerkschaftliche Organisierung, bevor Starbucks überhaupt eröffnet hat.“

Materialien

Berichte über frühere Proteste

In den vergangenen Jahren hatte die FAU in mehreren Städten und zu wiederholten Anlässen Aktionen bei Starbucks durchgeführt, um gegen die Repression gegen die Starbucks Workers Union in den USA zu protestieren und über die Arbeitsbedingungen zu informieren.
28.05.08 5. Juli 2008 - Globaler Aktionstag gegen Starbucks
19.05.07 Duisburg: Soli-Aktion für Starbucks-ArbeiterInnen
30.03.07 Dieser Kaffee schmeckt bitter
27.09.06 Starbucks: Kündigung wegen Solidarität! (Update 27.10.2006)
05.08.06 Wobblies kündigen globale Aktionen gegen Starbucks an

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