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Soli-Aktion für entlassene Starbucks-Mitarbeiter in den Vereinigten Staaten 02.09.2006 (update13.12.2006)

by Rudolf Mühland last modified 2008-06-02 20:29 — expired

Die FAU-Bonn hat heute vor einem der zwei Starbucks-Filialen in Bonn Flugblätter mit Informationen zu den in den USA von Starbucks entlassenen Gewerkschaftern verteilt.


StarbucksaktionUm unsere Solidarität mit den entlassenen Gewerkschaftern (Daniel Gross und Co.) bei Starbucks in den USA zu zeigen und die Menschen hier darüber zu informieren, haben wir hier in Bonn heute vor einem der zwei Starbucks, die es hier gibt für etwa eine Stunde ca. 200 Flugblätter mit Informationen zu dem gewerkschafts- feindlichen Verhalten von Starbucks und Möglichkeiten sich einzumischen an Kunden, Mitarbeiter und Passanten verteilt (für Bonner Verhältnisse nicht wenig).

Selbst in den Laden haben sich einige der Flyer verirrt, was eine beflissene Mitarbeiterin bereits nach knapp 2 Minuten pflichtgemäß zu uns vor die Tür trieb, um uns zum sofortigen großräumigen Verlassen der Umgebung aufzufordern, was wir aber geschlossen ablehnten und lieber weiter verteilten.

Die kurz darauf erscheinende Polizeistreife las sich zwar intensiv unseren Flyer durch und wollte auch (verständlicherweise) die Personalien eines 'Verantwortlichen' feststellen, konnte aber auch keinen Grund finden uns des Platzes zu verweisen. Das ganze blieb alles sehr ruhig und endete wie erwartet damit, das wir weiter verteilen durften. Die Polizisten wollten sogar noch einige Exemplare „zu Beweiszwecken“ mit 'zur Kantine' nehmen.

Das positive:

Durch die Polizeipräsenz bekamen wir sogar recht viel Aufmerksamkeit, die vorher eher gering war und unsere Flyer fanden doch noch reißenden Absatz.

Vielleicht verirren sich ja auch in die andere Bonner Starbucks-Filiale noch einige Flyer...

Die Flyer-Vordrucke für eventuelle eigene Aktionen gibt es hier .

02.09.2006 ; Wombat


Die 1. Starbucks-Gewerkschafts-Rallye.

Samstag, 9. Dezember 2006 von 15.30 – 17.30 in der Kölner Innenstadt.


Ein erster Bericht.

Es kamen 12 Leute auf den Aufruf der Kölner Wobblies zusammen. Wir sind
in drei Teams durch die im vorweihnachtlichen Kaufrausch versinkende
Innenstadt gezogen und haben die Starbucks-Filialen Friesenplatz,
Ehrenstraße, Neumarkt, Breite Straße besucht. Dabei hat sich jedes Team
einen anderen Anfangspunkt ausgesucht und ist im Uhrzeigersinn zur
nächsten Filliale weiter gezogen.

In den Fillialen haben wir über 50 Visitenkarten der IWW
Starbucks-Gewerkschaft an Baristas (Thekenkräfte) verteilt. Außerdem
rund 300 Flugblätter an KundInnen, welche die IWW Starbucks Workers
Union darstellte. Die nähere Kontaktaufnahme mit den Beschäftigten
gestaltete sich als schwierig, da sie erstens im Weihnachtsstress wenig
Zeit für viele Fragen hatten, zweitens recht bald vom Fillialmanagement
angewiesen wurden, nicht mehr auf uns zu antworten.

Wir hatten zwei Fragebögen vorbereitet: Einen (ernst gemeinten) für die
Baristas, einen für die Vorgesetzten (zur Ablenkung und
Demoralisierung)

Eine recht unangenehme (weibliche) Leitungsperson in der Kölner
Hauptfilliale am Neumarkt schien die anderen Fillialen informiert und
angewiesen zu haben. Der Store Manager der Breite Straße gab an, mit
der Polizei telefoniert zu haben, die ihm gesagt hatte, er solle von
seinem Hausrecht Gebrauch machen (Hausverbot erteilen), und dürfe
durchaus "leichte körperliche Gewalt" anwenden. Allerdings konnte uns
von ihm und zwei studentischen Würstchen wenig beeindrucken.

Folgendes haben wir herausgefunden:

- Einstiegslohn 8,60 Euro pro Stunde
- Vollzeitarbeit ist möglich, viele Überstunden
- 1200,- Euro bei 140 Stunden pro Monat (Der Lohnsteuerstatus ist
unklar geblieben)
- Jedes halbe Jahr eine Beurteilung durch den Chef, auf die eine
Lohnerhöhung folgen kann
- Intensive Schulung (Indoktrinierung) des Personals durch Starbucks
- Stereotype Antworten auf kritische Fragen (wie z.B. nach Fair trade)
- Leichter Verdacht auf sektenhafte Gehirnwäsche
- Teilweise demütige Ergebenheit der Baristas gegenüber ihrem Chef (in
der Filliale Breite Straße)
- Viele Baristas hatten Angst von ihren – direkt in der Nähe
platzierten - Chefs dabei gesehen zu werden, wie sie mit uns sprachen,
oder unsere Visitenkarten annahmen.
- Wenn die Store manager oder Shift manager gerade nicht da waren, ging
es besser.
- Die Namen der Store Manager sind auf einem Schild außen an der
Filliale angeschlagen.

Das Klima unterschied sich von Filliale zu Filliale deutlich. Am
Schlimmsten (aus einer selbstbewussten Klassenperspektive) war es in
der Filliale Breite Straße.


Insgesamt haben wir unser Teilziele erreicht:

- Uns bei den Baristas bekannt machen
- Informationen sammeln
- Wirbel veranstalten, Starbucks unter Druck setzen

Dennoch müssen wir selbstkritisch erwähnen:

- die Flugblätter waren nicht wirklich gut
- die Aktion war unter zu großem Zeitdruck und individuellem Verschleiß
geplant
- der Termin war ungünstig (weil in der Vorweihnachtszeit viele
potentielle MitstreiterInnen nicht konnten oder keine Lust auf den
Innenstadtstress hatten)

Tipp für NachahmerInnen:

Das Wichtigste ist die Visitenkarte. Stell Dich einfach in die
Schlange, bestell den billigsten Kaffee, frage ein wenig über fair
trade kaffee, vielleicht über die Arbeitsbedingungen bei Starbucks,
überreiche dann unauffällig die Visitenkarte, so dass der Chef es nicht
sieht. Zeige dem/der Barista, dass Du verstanden hast, in welcher
Hierarchie sie sich bewegen (müssen). Vielleicht in etwa folgender
Text: „Wir suchen Starbucks-Baristas, die mit uns Kontakt aufnehmen
wollen, wenn Du Lust hast, melde Dich“

Es ist die Frage, ob bei Starbucks in Köln genug an Faktoren wie
Unzufriedenheit, Arbeiterautonomie, Stress, Unterdrückung am
Arbeitsplatz etc zusammen kommen, um eine (gewerkschaftliche)
Organisierung ins Auge zu fassen. Das Unternehmen ist derzeit im
Aufbau, in der Expansion begriffen. Vielleicht ist es erst mal nett zu
seinen neuen Fillialmitarbeitern und zieht die Zügel in einer Phase der
Konsolidierung erst an. Das bleibt alles abzuwarten.

Allerdings ist es schon aus Solidarität mit unseren KollegInnen in New
York sinnvoll, die Drohung der Ausweitung der IWW Starbucks Workers
Union nach Deutschland aufrecht zu erhalten.

Soweit erstmal
Stuhlfauth

PS: Die Visitenkarten schicke ich morgen.



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