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Schwarze Katze Interview mit der FAU Bielefeld

Fotos und Interview: Schwarze Katze, 26. März 08

Schwarze Katze: Heute Abend gehts um die FAU Bielefeld. Ich spreche jetzt mit einem FAUista.

FAU Bielefeld: Hallo.

Schwarze Katze: Was hat die FAU Bielefeld in der letzten Zeit so alles gemacht?

FAU Bielefeld: Die FAU Bielefeld ist zunächst einmal eine der Ortsgruppen der Freien ArbeiterInnen Union, die bundesweit in 30 Ortgruppen bzw. Syndikaten organsiert ist. Die Bielefelder Gruppe ist mittlerweile eine der älteren Ortsgruppen und besteht schon seit ca. 15 Jahren. Und was treibt die FAU Bielefeld vor Ort? Wir sind eine Gruppierung, die mit Veranstaltungen, kleineren Aktionen, Demos und Publikationen, Kultur und Praxis des Anarchosyndikalismus vor Ort propagiert.

Schwarze Katze: In letzter Zeit wurden einige Filme gezeigt. Was für welche?

FAU Bielefeld: Filme der unterschiedlichsten Art, also z.B. über das Living Theatre, eines der ältesten und renomiertesten Strassentheatergruppen. Filme über die Spanische Revolution, einen Klassiker, Pueblos en Armas, über Chiapas und Durruti.

Schwarze Katze: Was ist für den 1. Mai 2008 geplant?

FAU Bielefeld: Wir wollen uns hier vor Ort als Gruppe präsentieren, das ist schon seit längerer Zeit nicht mehr geschehen, außer auf der Ebene von Filmen, Konzerten und ähnlichem. Zu diesem traditionreichem Datum des 1. Mai wollten wir eine eigene Veranstaltung abseits der klassischen Aktionen machen und selbst in Aktion treten. Auf der einen Seite im AJZ einen Film zeigen, auf der anderen Seite etwas Musik spielen lassen, sowie libertäres Essen. So ein runder kulturell politischer Tag.

Schwarze Katze: Ich habe noch zwei Fragen, was ist libertäres Essen und was ist das AJZ?

FAU Bielefeld: Das AJZ ist das Bielefelder Arbeiter- und Jugendzentrum, eines der übriggeblieben selbstverwalten Jugendzentren der 70er Jahre. Übriggeblieben heißt in der Form unabhängig von staatlichen und kommunalen Mitteln. Und zweitens, dass es sich immer noch selber verwaltet, das heißt Entscheidungen werden immer noch auf der Hausversammlung getroffen und damit de facto von allen denjenigen, die im AJZ enagiert sind. Libertäres Essen ist das, was Libertäre kochen und es sollte möglichst gut schmecken. Weil wie heißt es so schön? Anarchie und Luxus. Also nicht nur Erbsensuppe, sondern wenn schon, denn schon - aus allem was die Gastronomie zu bieten hat.

Schwarze Katze: Im Rahmen der Aktion "Bundeswehr wegtreten" fand eine von der FAU Bielefeld mit unterstützte Aktion in der lokalen Arbeitslosenagentur statt.

FAU Bielefeld: Ja, das ist richtig. Es ging um die zunehmende Präsens der Bundeswehr im Alltag, aber auch in den Arbeitsämtern. Wo sie Werbung machen für die Bundeswehr als Berufsperspektive, um diese vor allem arbeitslosen Jugendlichen schmackhaft zu machen. Dagegen hatte sich diese Aktion gerichtet. So eine Art Theater, unsichtbar kann man es nicht nennen. Eine Art Happening. Eine Aktion, wo ein Bundeswehrwerber aufgetreten ist, wurde gesprengt und was anderes draus gemacht. Das war eine antimilitaristische Aktion mit Zwischenfragen aus dem Publikum, Auftritt eines Wehrbischofs mit Gesängen und Slogans.

Schwarze Katze: Und wie war dabei die Reaktion der versammelten Arbeitslosen?

FAU Bielefeld: Das Witzige ist, dass kaum Arbeitslose da waren, weil die kein Interesse hatten sich von der Bundeswehr werben zu lassen. Die Mitarbeiter des Arbeitsamtes waren so konsterniert, daß sie gar nicht mehr auf die Idee kamen, die Polizei zu rufen. Diese kam erst eine halbe Stunde, nachdem die Aktion vorbei war. Es war etwas lustiges und gelungenes. Man sollte dies nicht zu hoch oder zu niedrig hängen. Ich denke mal, daß diese Gefahr, auf die es aufmerksam gemacht hat, weiterhin besteht und man begrenzte Mittel hat, um gegen diese vorzugehen. Es war also ein punktueller Nadelstich, aber als solcher im Rahmen unserer Möglichkeiten überaus gelungen.

Schwarze Katze: Die Schwarze Katze hat sich intensiv mit dem Thema Sozialabbau beschäftigt und dazu auch Aktionen gemacht. Deshalb interessiert uns auch eure Beteiligung an der Aktion Agenturschluss.

FAU Bielefeld: Die Aktion Agenturschluss war eine bundesweite Aktion gegen die Einführung der Hartz IV Gesetze, die an dem ersten Tag der Geltung dieser durchgeführt worden ist. Also Anfang Januar 2005 in den Arbeitsämtern. Da haben wir uns im Bielefelder Arbeitsamt mit einer geplanten Blockade beteiligt, die dann aber nicht von uns, sondern vom Arbeitsamt selber zustande gekommen ist, da dieses nämlich den Zugang für die gesamte Dauer der Aktion gesperrt hat. Und wir waren sowohl drinnen und draußen. Zu einer Blockade unsererseits kam es erst als wir von der Polizei rausgeschmissen wurden.

Schwarze Katze: Drinnen und draußen eine Bewegung.

FAU Bielefeld: Wenn man so möchte (lacht). Noch was zu dieser Aktion, welche die Bundeswehr-Veranstaltung gesprengt hat: Dieser Werber dachte ja wir wären die Arbeitslosen, wir wären mit etwa 20 Leuten in 3-4 Stuhlreihen so zahlreich erschienen. 4-5 sind aufgestanden und haben ein absurdes Theater aufgeführt, diese wurden daraufhin des Raumes verwiesen. Der Werber meinte dann "Dann können wir jetzt anfangen". Da stand die nächste Reihe auf und machte die nächste Aktion. Nach der dritten Reihe war er konsterniert und brach ohne die Waffe zu ziehen die Veranstaltung ab.

Schwarze Katze: Was hatte der Wehrbischof denn für eine Aufgabe?

FAU Bielefeld: Er soll schonmal vorab die Gefallenen segnen.

Schwarze Katze: Also mit anderen Worten ist da auch noch ein religionskritischer Aspekt mit eingebaut worden.

FAU Bielefeld: Ja und auch ein Hartz-kritischer. Hartz ist ja auch schon fast wie eine Religion. Denn natürlich spricht die Bundeswehr mit solchen Kampagnen gerade die Hartz IV Empfänger an und verspricht ihnen die Aussicht auf eine beruflichen Erfolg. Ein Wehrbischof kann da schon etwas gegenhalten, nämlich das hier kein normaler Beruf ausgeführt wird, sondern in erster Linie gemordet wird und große Gefahr besteht, daß man selber umkommt. Und das wäre dann eine kurze, sehr erfolgreiche Berufslaufbahn für einen Hartz IV Empfänger.

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