FAU-Berlin ruft zum Boykott gegen das Kino Babylon Mitte auf
Seit Mitte Juni wird im Kino Babylon Mitte ein Arbeitskampf geführt. Hintergrund ist, dass die Geschäftsleitung sich weigerte, über einen Haustarifvertrag zu verhandeln, der von der Gewerkschaft FAU in enger Zusammenarbeit mit der Belegschaft entworfen wurde. Trotz täglicher Präsenz der Gewerkschaft vor dem und im Betrieb und einer regelrechten Flut von lokalen bis internationalen Protestschreiben an die Geschäftsleitung zeigt diese sich weiterhin stur. Stattdessen versucht sie momentan, Stellen an das Zweitunternehmen der Geschäftsführer (Kino und Konzerte GmbH) auszugliedern, wodurch die offizielle Belegschaftszahl sinken und die Einflussmöglichkeiten des Betriebsrates weiter beschnitten würden. Auch werden durch die Schließung eines Teilbereichs des Kinos die Dienstpläne ausgedünnt, was die Einkünfte vieler Beschäftigter zusätzlich vermindert.
In Anbetracht dieser kompromisslosen und arbeitnehmerfeindlichen
Haltung sehen sich die FAU-Betriebsgruppe im Babylon Mitte und die FAU
Berlin dazu gezwungen, einen Schritt zu gehen, den sie gerne vermieden
hätten, der aber notwendig scheint, um die Geschäftsleitung zur
Vernunft zu bringen. Die FAU Berlin appelliert deshalb an alle Gäste
des Babylon, das Kino so lange zu meiden, bis die Geschäftsführung
ernsthafte Verhandlungen mit der FAU aufgenommen hat. Es wird darauf
verwiesen, dass es sich bei Boykottaufrufen um ein legitimes Mittel des
Arbeitskampfes handelt. Nicht zuletzt handelt es sich hier um eine
Angelegenheit von öffentlichem Interesse, werden die prekären
Verhältnisse und die dubios anmutenden Praktiken der Neuen Babylon Gmbh
jährlich mit mehreren hunderttausend Euro an öffentlichen Geldern
subventioniert.
Lars Röhm, Sekretär der FAU Berlin, dazu: "Wir haben den Eindruck, dass
die Geschäftsleitung äußerst irrational handelt. Aus falschem Stolz
heraus scheint sie eher gewillt, das Kino in den Abgrund zu führen, als
Zugeständnisse an die Belegschaft mit ihren legitimen Forderungen zu
machen. Jetzt sind auch die für das halbkommunale Kino Verantwortlichen
in der Landespolitik gefragt, die Geschäftsleitung zur Raison zu
bringen, wenn die Lage nicht noch weiter eskalieren soll."
Besonders bedauernswert findet die FAU Berlin, dass ein gutes,
ambitioniertes Kinoprogramm unter dem Starrsinn der Geschäftsleitung zu
leiden hat. Gehofft wird, dass die Lücke zwischen Anspruch und Realität
im Babylon Mitte bald geschlossen werden kann. „Ein linkes engagiertes
Kino erfordert einen arbeitnehmerfreundlichen Rahmen“, so Lars Röhm.
Allgemeines Syndikat der FAU Berlin & FAU-Betriebsgruppe Babylon Mitte
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