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Die FAU fordert ausstehende Löhne für die Beschäftigten eines Brandenburger Openairs

Nach dem Babylonkino in Berlin muss die FAU Berlin wieder feststellen: Kinochefs scheinen eine seltsame Zahlungsmoral zu haben. Diesmal handelt es sich um ein Freiluftkino in einem Dorf in Brandenburg, etwa 50 Km nördlich von Berlin. Hier haben im Sommer 2009, beim „Ruhlsdorfer Sommerkino“, fünf Mitglieder der FAU Berlin gearbeitet, ein weiteres Mitglied war für die Zeit in der Kneipe des Veranstalters angestellt. Die Mehrzahl von ihnen wartet noch heute auf große Teile ihres Lohns.
Die FAU fordert ausstehende Löhne für die Beschäftigten eines Brandenburger Openairs

FAU-IAA: mehr als nur Gewerkschaft

Betreiber des Kinos war eine gemeinnützige GmbH, das „Bildungswerk für Jugend, Soziales, Kultur“, das mehrere Ferienlager und Schullandheime betreut. In einem dieser Feriendörfer, dem „Dorado“ in Ruhlsdorf bei Biesenthal, fand letztes Jahr an zehn Wochenenden von Juli bis September ein Openairkino statt. Hierzu wurden ein Festspielleiter, ein Wirt und mehrere Hilfskräfte für die Aufbauarbeiten und den Kartenverkauf eingestellt.

Nachdem die Löhne anfangs mit Verspätungen immerhin überwiesen wurden, blieben sie irgendwann komplett aus. Jeder Betroffene erinnerte den Arbeitgeber an seine ausstehenden Zahlungen, per Mail, per Mahnung, am Telefon. Immer wieder wurden sie vertröstet, sonst passierte nichts. Also schaltete sich Anfang 2010 die FAU Berlin ein. Sie schrieb Mahnungen, Gewerkschaftsvertreter suchten das Gespräch am Telefon und auch bei persönlichen Besuchen vor Ort. Doch der Geschäftsführer Carsten Schmidt stellte sich taub und blockte alles ab.

Daraufhin beschlossen die sechs betroffenen FAU-Mitglieder, vor Gericht zu gehen. Gemeinsam berieten sie sich, vier von ihnen reichten Klage ein. In einem Fall hat bereits dieser Schritt zu Erfolg geführt: der Lohn wurde plötzlich stillschweigend überwiesen. Ein weiterer Fall wurde vor dem Arbeitsgericht schon beim ersten Gütetermin gewonnen, weil der Chef gar nicht erst erschienen ist. Ende Oktober stehen die zwei übrigen Gerichtstermine an, in einem dieser Fälle geht es um sieben komplette Monatslöhne.

Parallel zu den juristischen Verfahren betreibt die FAU Berlin Öffentlichkeitsarbeit. Bemerkenswert fand sie zum Beispiel, dass Carsten Schmidt in seiner Heimatstadt Bernau für die Linksfraktion im Stadtrat sitzt, ausgerechnet im Sozialausschuss. Die Partei wurde über die Arbeitgeberqualitäten ihres Mitglieds informiert und um Hilfe gebeten, worauf die FAU leider keine Antwort erhielt. Desweiteren wurde die Lokalpresse in Kenntnis gesetzt, die bereits in anderen Zusammenhängen darüber berichtet hatte, dass Angestellte von Carsten Schmidts Firma nicht oder schlecht bezahlt wurden.

Die ganze Geschichte zeigt einmal mehr, wie schwierig es werden kann, wenn man seinen Chef duzt. Die Arbeitsverhältnisse im Ruhlsdorfer Sommerkino kamen über freundschaftliche Kontakte zustande, vieles wurde auf Vertrauensbasis abgesprochen. Dass die Betroffenen so lange warteten, bis sie ihre Gewerkschaft und das Gericht einschalteten, lag daran, dass sie ihrem Chef immer wieder glaubten, wenn er sagte, er werde es ihnen bald überweisen. Jemand, der sich für Kultur in der brandenburgischen Provinz einsetzt, der am liebsten in sein Openairkino ging, wenn dort linke Filme liefen – der kann doch kein Abzocker sein.
Leider hat die Realität ein anderes Gesicht gezeigt. Und die Schriftsätze, in denen Carsten Schmidt sich vor Gericht über seine ehemaligen Angestellten äußert, sprechen eine klare Sprache: Angriff statt Entgegenkommen.
Die FAU Berlin begleitet ihre Mitglieder weiterhin durch die Prozesse, und sie erneuert natürlich in regelmäßigen Abständen ihr Gesprächsangebot.

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