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Berlin: Studierende gegen Niedriglöhne beim Studentenwerk

Im Rahmen des Bildungsstreiks gab es am Dienstag 16.6 zeitgleich an den Mensen der Berliner TU und der Alice-Salomon-Hochschule Aktionen gegen Niedriglöhne, Leiharbeit und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen beim Studentenwerk. Das Studentenwerk erscheint uns Studierenden als freundliche Serviceinstitution. Doch gegenüber den Beschäftigten, die uns z.B. in den Mensen Essen bereiten, zeigt sie ein weniger freundliches Gesicht. „Die Kämpfe für ein soziales Bildungssystem und für würdige Arbeitsbedingungen und guten Lohn gehören untrennbar zusammen“, heißt es im Flugblatt zur Aktion. „Es darf nicht sein, dass der Kostendruck auf die Beschäftigten abgewälzt wird. Das Studentenwerk, die Unis, Schulen und Kinder- und Jugendeinrichtungen müssen endlich ausreichend öffentlich finanziert werden!“
Um 12:00 entrollten etwa 35 Studierende, darunter einige „Überflüssige“, auf der Empore der voll besetzten TU-Mensa ein Transparent mit der Aufschrift „Besonderes Angebot des Studentenwerks: Portion Niedriglohn auf Leiharbeitsrücken in prekärer Soße - Ungenießbar!“ Auf Flugblättern wurden die Mittagessenden darüber informiert, dass die Geschäftsführung des Studentenwerks Petra Mai-Hartung den Beschäftigten empfindliche Einschnitte androht: Sie will die Arbeitszeit erhöhen, den Lohn einfrieren, das Weihnachtsgeld kürzen – und das, obwohl das Berliner Studentenwerk seit 2004 von den bundesweiten Tarifsteigerungen abgekoppelt ist und die Beschäftigen so bereits mit 12-16% Kaufkraftverlust konfrontiert sind. Die Gewerkschaft ver.di pocht auf einen neuen Tarifvertrag, doch Mai-Hartung kündigt Unnachgiebigkeit an. Sie will nun sogenannte „Un- und Angelernte“ in eine Niedriglohngruppe abdrängen. Die Beschäftigten dieser Gruppe bezeichnet sie als „Knautschzone", auf deren Rücken Einsparungen von bis zu 700.000 Euro jährlich erzielt werden sollen. Heute schon werden vermehrt Leiharbeitskräfte eingesetzt, die ganze 50% des regulären Lohns bekommen.
Unter lautem Applaus der anwesenden Essenden forderten die BildungsstreikaktivistInnen in einem Redebeitrag Lohnerhöhungen für alle Beschäftigten, einen Mindestlohn von 10€ sowieso und die Umwandlung der Leiharbeitsverträge in feste und sichere Verträge. Es wurde klargemacht: So lassen wir uns nicht abspeisen! Menschen sind keine „Knautschzone“! Von guter Arbeit muss man gut leben können! Ohne die Arbeit der Beschäftigten des Studentenwerks würde an keiner noch so „exzellenten“ Uni was laufen – die immer noch meist von Frauen verrichteten Versorgungstätigkeiten müssen als anspruchsvolle Arbeit gesellschaftlich anerkannt und endlich angemessen entlohnt werden!
Gründe für solidarische Aktionen haben schließlich auch Studierende viele: Die Ausweitung des Niedriglohnsektors und prekärer Beschäftigungsverhältnisse betreffen nicht nur den Kassier und die Reinigerin. Viele Studierende müssen zur Finanzierung ihres Studiums jobben, machen unbezahlte Praktika und wissen nicht, wozu ihr Bachelor-Abschluss gut sein wird. Für die Krise des neoliberalen Finanzkapitalismus schließlich sollen immer mehr Menschen mit Lohnsenkungen, Entlassungen und Sozialkürzungen zahlen, weltweit.
All das sorgt für ein Klima der Unsicherheit und der Konkurrenz, in dem die Grenze des Zumutbaren immer weiter nach unten gedrückt wird – für alle, überall. Dagegen hilft nur eins: uns gegenseitig zu unterstützen! Solidarität statt Konkurrenz! Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen!
Der Konkurrenzkampf und Leistungsdruck, der Studierende wie Beschäftigte gleichermaßen trifft, war denn auch Thema eines Theaterstücks, das „Die Überflüssigen“ in der Mensamitte aufführten.
Währendessen wurden an die Beschäftigten Infobriefe über die Aktion und Rosen verteilt. Der Geschäftsführerin Petra Mai-Hartung indes wurde zum Abschluss ein Forderungskatalog hinterlassen und angekündigt, dass Studierende ab jetzt auch als Teil einer künftigen Tarifauseinandersetzung anzusehen sind: „Gewöhnen Sie sich schon an den Gedanken. So lassen wir uns nicht abspeisen!“ war auf dem Forderungskatalog zu lesen. Damit wurde klar gemacht: Sollten die Beschäftigten also mit einem Arbeitskampf beginnen, werden auch wir als NutzerInnen der Angebote des Studentenwerks uns wieder einmischen.

Ein Video zu der Aktion gibt es bei  http://kanalb.org/
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