Interview mit dem IAA-Sekretariat 2006
Im Vorfeld des IAA-Kongresses in Manchester für die Zeitung Freedom per Mail geführt.
FRAGE: Wie steht deiner Meinung nach die IAA heute im
Vergleich zu früher da?
SEKRETARIAT: Soweit es die Zahlen der
ArbeiterInnen in den historischen Sektionen (wie CNTE, CNTF, USI, FAU, NSF)
anbelangt, sind diese eindeutig niedriger als in der Vergangenheit. Es ist
unmöglich, auf diese Frage
innerhalb eines gesetzten Rahmens von 600 Worten für das gesamte Interview einzugehen,
da die verschiedenen Sektionen jeweils ihre eigene Geschichte haben. Wenn wir
zB die größte Sektion, die spanische CNT, betrachten, war die während der
Diktatur von Primo de Rivera verboten, als die IAA 1922/23 gegründet wurde.
Alle wissen, was vor 70 Jahren mit der spanischen Revolution geschah und die
CNT war die größte ArbeiterInnenorganisation, und dann erlitt die CNT auch
schwere Repressionen im Francofaschismus.
Ab den 70er Jahren sind Tausende von ArbeiterInnen der CNT beigetreten. Dann spaltete
sich die CNT bei ihrem 5. Kongreß im Jahr 1979, dann nochmal 1984. Es wurde
behauptet, die CNT sei sektiererisch, dogmatisch und unrealistisch, weil sie
sich nicht an den korporativen Betriebsratswahlen beteiligen wollte. Die
Entwicklung der CNT heute zeigt eine Organisation, die keine Kompromisse mit
dem System eingeht, die neue Mitglieder gewinnt und es gibt Streiks und viele
Kämpfe!
FRAGE: Welche wichtigeren Anträge werden bei diesem Treffen der Internationale diskutiert
werden, und was wurde seit dem letzten Kongreß erreicht?
SEKRETARIAT: Seit dem letzten Kongreß in Granada sind 2 Jahre vergangen und neben
vielen organisatorischen Dingen diskutiert die IAA Aktionen gegen die kapitalistischen
Kriege, weitere Aktionen gegen Zeitarbeit, wie mensch aus Erfahrungen von
dringenden Aktionen lernen kann und wie wir uns in neue Länder ausdehnen können
etc.
FRAGE: Wer wird an dieser Konferenz teilnehmen?
SEKRETARIAT: Die Sektionen und die Freunde der IAA und eingeladene Organisationen
werden vertreten sein. Die Sektionen entscheiden selbst, wen sie aus ihren jeweiligen
Ländern einladen und die Sektionen schlagen
Organisationen zur Einladung vor, wo es keine Sektion gibt.
FRAGE: Der Mercadona-Streik war die profiliierteste Aktion in der IAA im letzten
Jahr. Welche Hilfe gab es aus der Internationalen heraus für die Leute und
welche anderen Aktionen haben die IAA-Sektionen kürzlich durchgeführt?
SEKRETARIAT: Es gab eine Anzahl dringlicher Aktionen, nicht nur den Mercadona-Streik,
sondern der Mercadona-Streik wurde und wird aktiv von allen Sektionen und Freunden
unterstützt. Durch die Verbreitung von Informationen,
Boykottaufrufe gegen Mercadona bei Leuten, die nach Spanien reisen, Demonstrationen
vor spanischen Botschaften und Konsulaten, und zum Beispiel die FORA in
Argentinien hat eine Aktionen gegen den Mercadona-Boss Roig
organisiert, als er an einer Konferenz in Argentinien teilnahm! Die finanzielle
Hilfe ist bei Streiks sehr wichtig, und die Sektionen und Freunde haben Geld
für den Streik gesammelt und das Sekretariat hat aus dem IAA-Fonds
EURO 10,000 geschickt.
FRAGE: Es hat einige bedeutende Abspaltungen und Ausschlüsse in den letzten paar
Jahren gegeben, darunter die der CNT in Frankreich und Spanien, den Ausschluß
der SAC und die aufkommende Debatte um die Zukunft der USI und der FAU. In einigen
Fällen scheinen die Betriebsräte und die Beteiligung an staatlichen
Einrichtungen eine Rolle gespielt zu haben. Könntest du erklären, was in den
letzten Jahren geschehen ist und worauf die Beschlüsse der
Internationalen gründen? (Nebenbei: ich weiß, daß dies für manche ein heikler Punkt,
aber es ist auch eine Frage, die von vielen unabhängigen und jüngeren AnarchistInnen
gestellt wird, daher ist es wohl gut, wenn hier eine Antwort
erfolgt, auch wenn die nur die Grundzüge erklärt).
SEKRETARIAT: Die CNT hat sich 1979 (und 1984) geteilt und zwar wegen der ideologischen
Orientierung und der Beteiligung an Betriebsratswahlen. Diejenigen, die den 5.
Kongreß der CNTE 1979 verließen, waren dafür, daß die
Gewerkschaften die taktische Freiheit haben sollten, über Beteiligung oder Nichtbeteiligung
an Betriebsratswahlen zu entscheiden. Später erlebten wir dann, daß die
Abspaltung (von der CGTE 1989) bei solchen Wahlen groß engagiert war.
Die SAC ist seit den 50er Jahren außerhalb der IAA. Eine der Kontroversen war, daß
die SAC auch ein internationales Netzwerk mit Feinden der IAA unterhielt. Dies
geschah in den 50er Jahren und wurde auch später von der SAC fortgeführt, wie
z.B. durch die Unterstützung für die "CNT"-Abspaltung und später für
die CGT und die IAA hat beschlossen, keine Kontakte zur SAC zu unterhalten.
CNTF und USI teilten sich in den 90ern, wobei sich zwei Organisationen selbst CNTF
nannten und zwei USI. Der 20. Kongreß der IAA im Jahr 1996 nahm die CNT-AIT
auf, nicht aber die Vignolles, und die USI-AIT, nicht aber die
"USI-Rom".
Die Frage der Betriebsratswahlen spielte auch eine Rolle im französischen Konflikt,
da sich die Gewerkschaft bei Comtec in Paris an Wahlen beteiligt hatte.
Weitere Diskussionen in der IAA über die USI und RSU befaßt sich damit, ob das RSU-System
einen strategischen Bruch mit den IAA-Prinzipien darstellt (die spanischen und
französischen Wahlen sind dies) oder nicht. Es wurde viel analysiert, viele
Informationen weitergegeben und es hat viele Debatten gegeben.
Die Frage bei der FAU sind nicht Betriebsratswahlen, sondern das Unterhalten "gleichzeitiger
Kontakte" und das Konzept des Föderalismus.
FRAGE: Es gab Kontakte zu südamerikanischen und ostasiatischen Gruppen in den letzten
Jahren; liegt hier Potential für weiteres Wachstum?
SEKRETARIAT: die IAA hat Sektionen in Argentinien (FORA) und Brasilien (COB) und
IAA-Freunde in Chile und Kolumbien. Die ASF in Australien ist eine befreundete
Gruppe. Die IAA unterhält Kontakte zu Gruppen und Organisationen außerhalb der
Internationalen in Lateinamerika und Asien und der Kongreß wird sich mit
Beitrittsgesuchen aus Pakistan und Indonesien befassen.
FRAGE: Möchtest du noch etwas hinzufügen, nachdem ich noch nicht gefragt habe?
SEKRETARIAT: Es gäbe noch viel hinzuzufügen, aber es sind nur noch zwei Wochen bis
zum Kongreß, da gibt es noch viel Arbeit! Danke!
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