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Anarchistische Patriarchatskritik

Die Schaltstellen der Macht, ob in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichen Ämtern liegen in Männerhand. Durch die Unterordnung der Frauen (beruflich wie privat) erhalten Männer die besseren und hochdotierten Arbeitsplätze an den Schaltstellen konzentrierter Macht. Die soziale, politische und ökonomische Gleichberechtigung von Männern und Frauen sind zentrale Punkte im Katalog anarchistischer Forderungen nach Herrschaftsfreiheit. Anarchistische Patriarchatskritik wird heute auch von vielen kritischen Männern als berechtigt angesehen und vertreten.

Männlichkeit als soziales Phänomen ist machtorientiert, Weiblichkeit
orientiert sich am Prinzip der Nachrangigkeit. Die Akzeptanz dieser
Männerherrschaft bei Nachrang der Frauen, die mit Abgrenzung zu Frauen
einhergeht, nennt man „hegemoniale Männlichkeit“. Hegemoniale Männlichkeit
wird in der Öffentlichkeit durch Medien und Politik unterstützt und
gefestigt. Auch die herkömmlichen Beziehungen von Mann zu Mann sind
machtorientiert. Die selbstkritische Auseinandersetzung über die
Verfangenheit in hegemonialer Männlichkeit ist darum wichtiger Teil
anarchistischer Patriarchatskritik.

Machtausübung und Herrschaftsinteresse sind heute Bestandteil der männlichen
Sozialisation wie Selbstaufgabe und Anpassung Maßgabe weiblicher
Sozialisation sind. Der Kitt hegemonialer Männlichkeit ist das sexistische
Basisverständnis, dass Frauen den Männern unterlegen sind und weibliche
Interessen den männlichen nachgeordnet werden müssen. Dieses sexistische
Basisverständnis wird von Männern wie Frauen geteilt und ist der Grund
dafür, warum auch benachteiligte Männer nur selten gegen hegemoniale
Männlichkeit aufbegehren, obwohl nur die wenigsten selbst davon profitieren.
Eine Kritik an hegemonialer Männlichkeit, wird als Angriff auf das
Selbstbild und geschlechtliche Identität eines Mannes missverstanden. Der
Ausdruck einer machtorientierten Männlichkeit ist nicht die Ausübung von
Macht selbst, sondern die Überlegenheit gegenüber Frauen. Wenn nur wenige
herrschen, aber diese Männer sind (und kaum Frauen), wird das männliche
Geschlecht zum Fundament struktureller Männer-Macht und das weibliche
Geschlecht endet in einem Verständnis für strukturelle Ohnmacht. Eine
Gleichstellung von Männern und Frauen an Schaltstellen der Macht kann hier
kein Anliegen anarchistischer Politiken sein, weil das Prinzip Herrschaft
nicht überwunden wird. Dazu ist es gleichgültig, ob Männer oder Frauen und
in welchem Mehrheitsverhältnis zueinander ausüben. Wirkliche
Gleichberechtigung kann es nur in einer herrschaftsfreien Gesellschaft
geben, weil Herrschaft immer „genderisiert“ werden kann und im Sinne eines
sexistischen Basisverständnisses das Geschlecht der Mächtigen zum Feind
erklärt wird.

Anarchistische Politik fordert die Gleichberechtigung von Männern und
Frauen. Und anarchistische Gleichstellungspolitik verlangt von Männern, sich
den Frauen nicht überlegen zu fühlen und erwartet von Frauen, nicht auf ihre
Rechte zu verzichten, sondern sie in jeder Form und gegen jeden Widerstand
einzufordern!

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