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Casellas: 61 Tage Hungerstreik

Der spanische Anarchist und seit über 25 Jahren inhaftierte Amadeu Casellas befindet sich seit dem 23, Juni im unbefristeten Hungerstreik. Ein Freund, der ihn am 16.August besuchte, berichtet von einem hochbedenklichen Gesundheitszustand - Interview mit Casella von La Haine...
Amadeu Casellas, seit mehr als 25 Jahren in spanischen Gefängnis wegen seiner Teilhabe an der dutzendfachen Ausraubung von Banken, mit welchen er die ArbeiterInnenkämpfe in den 70ern unterstützte. Casellas war stets an den Kämpfen, innerhalb wie ausserhalb der Gefängnisse und an den Anklagen gegen das System, sowohl gegen dasfranquistische als auch gegen das "demokratische, beteiligt. "

Seit einigen Tagen befindet sich Casellas im Hospital von Terrassa...

BERICHT EINES FREUNDES


Am vergangenen 16. August konnte ich Amadeu Casellas in der Abteilung für Gefangene des Hospitals von Terrassa besuchen. Im Gegensatz zum vorherigen Besuch stand diesmal die Tür zu dem Innengelände offen und ich wurde auf das Stockwerk geführt, wo Amadeu sich befand. Dort war es auch vergleichweise ruhiger als in der Vorwoche, als Amadeu noch mit voller Energie und Freude auf den Besuch seiner Mutter und einer Begleitperson regiert und ihnen zugerufen hatte:"Wie geht´s?".
Dieses Mal jedoch fand ich ihn hinter den Glasscheiben im Bett liegend vor und ich war jetzt derjenige, der fragte: "Wie geht es dir, Amadeu?" Ich hatte ein ungutes Gefühl. Es kostete den so kämpferischen Mann grosse Anstrengung sich aufzurichten. Ich trat schnell an das Bett, um zu verhindern, dass er aufstand und umarmte ihn. Seine Antwort war offensichtlich: "Naja, du siehst ja..., ich liege im Bett weil es besser ist, wenn ich nicht herumlaufe und mich ausruhe..." "Warst du ohnmächtig ?", fragte ich ihn ein wenig alarmiert. "Ja, aber diesmal bin ich nicht gegen die Wand oder auf den Boden gefallen, weil ich in dem Moment, als mir schwindelig wurde, in der Nähe vom Bett war und mich habe darauf fallen lassen. Die Ärzte haben sich sofort um mich gekümmert und mir ein Serum gegeben, so dass ich mich wieder erholte..." Das waren mehr oder weniger seine Worte.
Amadeu redete nicht mit seiner gewohnten Ungezwungenheit, es war zu spüren, dass der müde wurde und ich beeilte mich, ihn über die Aktionen, die an verschiedenen Orten gemacht werden, zu informieren. Er erzählte mir, dass seine Mutter ihm von dem Interview mit der Richterin berichtet hatte und dass er sich nichts von dieser verspricht.
Diese physische Situation und diese Gesundheit, die man immer mehr und stärker dahinschwinden sieht, machten mich wirklich sehr traurig. Er zeigte nicht dieses Lächeln, das er uns sonst schenkte. Der lebendige Glanz seiner Augen ist wie erschloschen und sie sprechen nicht mehr. Er sagte, dass er laut den Ärzten bereits 28 kg verloren hat und dass sie nicht begreifen könnten, wie er in diesem Zustand den Hungerstreik aushält und dass sie ihn davon in Kenntniss gesetzt hatten, dass sie ihm bald eine Infusion anhängen werden. Dass sie ihren Bericht an die Richterin geschickt haben, die Zwangernährung anorden kann und dass sie auf die Antwort warten.
Anscheinend haben sie ihm nach der Bewusstlosigkeit etwas Saft gegeben, um den Blutzuckerspiegel zu erhöhen, aber sein Organismus hat ihn abgelehnt und er hat alles erbrochen. "Ich kann kaum Wasser trinken", berichtete er mir, "aber ich werde Widerstand leisten bis zum Schluss und ich glaube, ich kann noch weitere 30 oder 40 Tage aushalten. Sie können sich hier nicht erklären, woher ich diese Kraft nehme und bringen mir Respekt entgegen weil sie gemerkt haben, dass es kein Scherz war, als ich ihnen sagte, dass ich bis zur letzten Konsequenz gehen werde."
Man frägt sich in diesem, wie in anderen Fällen, ob dieser ganze Kampf nicht umsonst ist. Aber diese Gedanken sind unteilbar mit der Person, die das Risiko auf sich nimmt. Für ihn gibt es keine Zweifel; diese liegen in unseren Ängsten und in unserer Furcht, ihn zu verlieren. Sowohl er wie wir wissen, dass diese ablehnungswürdigen Verantwortlichen der Strafvollzugseinrichtungen keine vertrauenswürdigen Leute sind und dass sie nichts tun werden, um nicht durch den politischen, medialen oder sozialen Druck in Schwierigkeiten zu geraten.
Ich persönliche glaube nicht, dass das noch soviele Tage lang weitergehen kann und deshalb nimmt meine Angst bezüglich Amadeu´s Situation in dem Maße zu wie sie verstreichen. "Pass´gut dich auf, lieber Freund..., und vergiss´nicht, dass du schon alles getan hast, was du tun musstest." Ich umarmte ihn mit diesem Gefühl von Traurigkeit, dass mich in diesem Moment erfüllt, versuchte zu verhindern, dass er meinen Pessimismus bemerkte und lief hinter der Beamtin den Gang enlang, die mich zum Ausgang führte.
Bevor ich hinaus ging, hielt mir eine andere Funktionärin ein paar Müllsäcke hin und sagte, darin seien Amadeus´Kleider. Sie erklärte mir mit Bestimmtheit, bei der Verlegung seien die Seife und das Shampoon über die Sachen ausgelaufen. In diesem Augenblick fielen mir die "unbeabsichtigten Unfälle ein" und die missbräuchliche Art und Weise, wie mit den persönlichen Dingen in diesen Institutionen umgegangen wird... und mit den gefangenen Menschen selbst.
Während ich das Gelände verliess, hatte ich das schmerzliche Bild von Amadeu vor Augen, wie er im Bett dieses Hospital-Gefängnisses liegt. Wie er wartet, während gewisse Verantwortliche der Gefängnisse Urlaub machen. Wie er darauf wartet, dass bestimmte Zuständige der Institution sich herablassen, mit ihm zu sprechen, und aus dieser Situation herauszukommen. Ich sah einen bereits sehr geschwächten Amadeu vor mir, der schon keine Kraft mehr hatte, zu reden. Aber es gibt etwas, das ich mir nicht vorstelle sondern das ich weiss. Amadeu wird bis zum letzten Moment Kraft beziehen und nur er weiss, woher. In mehr als 20 Jahren haben sie es nicht geschafft, dieses rebellische Handeln zu brechen. Amadeu tut ihnen weh und das weiss auch er und ich bin sicher, wenn dieser letzte Moment kommt, wird er sich aufrichten und sei es auch nur, um über sie zu lachen.
Wir müssen Druck auf diese Ablehnungswürdigen ausüben, um sie dazu zu zwingen, Amadeu zu besuchen und mit ihm zu sprechen.

Anonymo
 http://www.alasbarricadas.org/noticias/?q=node/8308
Die Entlassung von Amadeu Casellas ist für den 26. August 2011 vorgesehen, dann sind es 32 Jahre seit er zum erstenmal ins Gefängnis kam.

INTERVIEW MIT CASELLAS VOR WENIGEN TAGEN


La Haine: Du hast während deiner Zeit im Gefängnis unzählige Hungerstreiks, sowohl kollektive wie individuelle, abgehalten. Was ist es diesmal, das dich dazu bewegt, den unbefristeten Hungerstreik zu erklären?

Amadeu: Was mich zu dieser Entscheidung bringt, ist die Straffreiheit, mit der die Vollzugsteams die Informationen fälschen und mir die Hafterleichertungen verweigern. Ausserdem fordere ich Strafverkürzung entsprechend der Anerkennung durch sowohl das alte wie auch das neue Strafgesetz.

LH: Welche grundlegenden Forderungen bringst du mit diesem Kampf zum Ausdruck ?

Amadeu: Die fehlende Verkürzung der Strafe und Freilassung unter Auflagen.

LH: Vor einigen Wochen erfuhren wir, dass die Richterin des 2. Gerichts von Manresa gegen die Verkürzung deiner Haftdauer entschieden hat und wir würden gerne erfahren, was du über diesen Beschluss denkst und wie du ihn aus der Situation heraus, in der du dich befindest, einschätzt.

Amadeu: Es ist ein faschistischer und illegaler Beschluss, der auf meiner revolutionären Geschichte sowohl innerhalb als ausserhalb der Gefängnisse basiert.

LH: La Haine ist der Auffassung, dass die indivuduellen sowie die kollektiven Proteste und Kämpfe, die in den Gefängnissen sattfinden, eine entschiedene und kontinuierliche Unterstützung in den Strassen haben müssen. Solidarität ist eine mächtige Waffe und in den Gefängnissen bewirkt das durch die Isolation von der Gesellschaft verursachte Schweigen, dass diese Solidarität viele Male die einzige Form ist, diesen Protest auf der Strasse und in den Institutionen vernehmbar zu machen, die für die Situationen derer, die diesen Kampf kämpfen verantwortlich sind . Wie bewertest du diese solidarische Antwort? Rechnest du mit ihr, in dem Moment, indem du diese Initiative des unbefristeten Hungerstreiks ergreifst?

Amadeu: Im Augenblick rechne ich mehr mit der Unterstützung draussen als innerhalb der Gefängnisse, denn drinnen ist die Angst vor Repressalien die alltägliche Regel; deshalb ist die Verbreitung der Informatione bezüglich meiner Situation draussen so wichtig für mich.

LH: Wir leben in einer Gesellschaft die immer individualistischer, passiver, gleichgültiger und apathischer wird. Das Gefängnis ist ein Spiegelbild dieser Veränderungen und du hast sie zu einem erheblichen Teil während mehr als 25 Jahren Haft erlebt. Wie erlebst du diesen Schwund an Kameradschaft und Einheit im Gefängnis?

Amadeu: Die Gefängnisse sind, wie du treffend sagst, ein Spiegel der Gesellschaft und wir alle waren viele Jahre lang eine Einheit und nun sind wir keine. Die Angst vor Repressalien und die Drogen, legale wie illegale, haben die Einheit und die Kameradschaft komplett zerstört.

LH: Hat sich in den letzten 20 Jahren in den Gefängnissen tatsächlich viel verändert?

Amadeu: Ausschliesslich die Gesundheitsversorgung und die Ernährung sind verbessert worden; was all´ die anderen Aspekte anbelangt, sind sie, wie seit 30 Jahren, weiterhin autoritär, faschistisch und präpotent. Aber alles wird bestens gemanagt und sie lassen nicht zu, dass etwas das gegen ihre Interessen verstösst nach aussen dringt.

LH: Wie weit bist du entschlossen diesen Protest zu führen?

Amadeu: Bis zum Ende.

LH: Wen klagts du als direkt Verantwortliche für deine jetzige Situation an?

Amadeu: Die PolitikerInnen, seinen es Rechte oder Linke; die RichterInnen wegen ihrer Heuchelei; die Generaldirektion der Strafvollzugseinrichtungen; die Befehlshaber in den Gefängnissen wegen ihrer Inkompetenz und Kollaboration und die Strafvollzugsteams für ihr Patent zur Freibeuterei.

LH: In deinem letzten Kommunique berichtest du, dass einer deiner Genossen, Juan Alfonso Casquero, 70 Tage lang hungergestreikt hat und dass er, als du auf der Krankenstation mit ihm zusammengetroffen bist, in einem mental sehr schlechten Zustand war. Kannst du uns erzählen, wie es ihm ging und was mit ihm passierte?

Amadeu: Die Wahrheit ist, dass ich nicht weiss, was ihm widerfahren ist, denn er hatte völlig den Verstand verloren und man konnte nicht mit ihm reden. Jetzt wo ich im selben Hospital von Terrassa bin, wo er auch war, habe ich versucht mehr herauszubekommen, aber ich habe nichts in Erfahrung bringen können.

LH: Was erwartest du von (uns) den Leuten draussen, die dich unterstützen?

Amadeu: Dass ihr mir weiter dabei helft, diese Situation bekannt zu machen und weiter Faxe sowohl an die katalanischen Gefängnisdienste, das 2.Gericht von Manresa und alle Sitze schickt, die ihr für opportun haltet.

LH: Wir danken dir ganz ausserordentlich für diese Anstrengung, nach 58 Tagen Hungerstreik auf diese Fragen zu antworten und hoffen nur, dich so schnell wie möglich erholt draussen, auf der Strasse, und unter uns zu sehen. Wir von La Haine werden weiter alles tun, was in unserer Macht steht, um deine Situation bekannt zu machen und die legalen Vernichtungslager anzuklagen. Viel Glück und Kraft!
 http://www.lahaine.org/index.php?p=32294

DIE GITTER DER DEMOKRATIE
Artikel vom 21.11.2004, Xavier Mas de Xaxàs, La Vanguardia;
weiterverbreitet von Colectivo Oveja Negra,14.02.05...
(gekürzte, freie Übersetzung )
Amadeu Casellas hatte einen genehmigten Ausgang genutzt, um der Presse einige Wahrheiten mitzuteilen. Nach seiner Rückkehr ins Gefängnis verlangten die Wärter von ihm, dass er sich von sämtlichen seiner Aussagen distanzieren sollte, was er abgelehnt hat. Daraufhin wurde er ins Gefängnis Quatre Camins (Barcelona) verlegt und ihm in aller Eile der 3. Grad (u.a. Ausgeherlaubnis) entzogen....
Seinen letzten Hungerstreik hatte Amadeu Casellas am 30 November im Gefängnis von Girona begonnen. Er drohte damit, sich den Mund zuzunähen, wie er es zuvor schon einmal getan hatte und stellte jegliche Nahrungsaufnahme ein. 54 Tage lebte er ausschliesslich von Wasser und Zucker. Sine Forderung war Wochenendausgang. Ein Privileg, dass ihm am Wochenende darauf - nach 25 jähriger Haft - wegen schlechter Führung verweigert wurde.
"Ich bin entschlossen bis zum Ende zu gehen, und herauszukommen, egal wie auch immer, lebendig oder tot". Vor 25 Jahren hat er Ähnliches zu einem Wärter des Modelo von Barcelona gesagt.
Es war im September 1979, Casellas war gerade ins Gefängnis gekommen, um eine Strafe wegen bewaffnetem Raub abzusitzen. Er war Bankräuber, Anarchist und Sympathisant von Terra Lliure, und die Schläge, die er erhielt waren so gewaltig, dass er um sein Leben fürchtete... "Irgendwann dachte ich, dass ich hier nicht lebend herauskommen würde und da ich nichts mehr zu verlieren hatte, stellte ich den Typ, der mir verprügelte: Entweder tötest du mich oder ich dich, sagte ich zu ihm, und im Falle du mich tötest tust du mir einen Gefallen, denn umgekehrt bleibe ich weiter eingesperrt."

Aber Casellas brachte ihn nicht um, er hat niemals jemanden verletzt und ist dennoch weiter im Gefängnis. Er ist der älteste Gefangene Katalaniens und der kämpferischste. Widerholte Male hat er die Autoritäten wegen Diebstahl, Betrug, Missbäuchlichkeiten und Verfälschung von Tatsachen angeklagt. Er hat 50 Hungerstreiks abgehalten und endlose Jahre in Isolationszellen zugebracht, ohne jemanden zu sehen und durfte nur zwei Stunden am Tag heraus, in einen leeren Hof.
Die Geschichte seines Lebens ist die Geschichte der Gefängnisse des demokratischen Katalanien..., deshalb holte die Generalität (katalanische Autonomieregierung), als sie ambitioniert war, das Strafsystem zu ändern, seinen Rat ein, indessen der Ombudmann ihn besuchte, um eines der grössten Geheimnisse des Landes aufzudecken: 8000 Gefangene, mehr als jemals zuvor in der katalanischen Geschichte, waren einem obsoleten System unterworfen, das ihre Pathologien verschlimmerte (z.B. durch Drogen und die Verleitung zum Suizid) .

DER FALL DES REBELLEN

Casellas war 14 Jahre alt (1973) und arbeitete in einer Fabrik in Balenyà als den Anarchismus entdeckte. "Ich fühlte mich von dem Unternehmer ausgebeutet, lernte die Leute von der CNT (anarcho-syndikalistische Gewerkschaft) kennen und begann subverisve Propaganda auf der Strasse zu verteilen. Ich transportierte packweise Flugblätter auf dem Motorrad und nahm an klandestinen Versammlungen Teil."
Casellas glaubte an den bewaffneten Kampf, an die Unausweichlichkeit der Revolution zur Veränderung der Dinge. Heute ist er davon überzeugt, dass Pistolen nichts regeln können und dass der Anarchismus die definitive Lösung ist und besser funktioniert, als die existierende "Demokratie": "Wir haben in Spanien keine Demokratie. Zuerst gab es einen Diktator, Franco, und jetzt gibt es ein paar politische Parteien. Die Unternehmen funktionieren genauso weiter. Es wurden keine Lösungen für die vorrangigen Befürnisse gefunden. Es fehlt die Gleichheit zwischen Reichen und Armen".

Diese Gleichheit war es, die er gesucht hatte, als er seinen ersten Bankraub beging, (Handelsbank von Manresa1976). "Es war so gut wie mein erstes Delikt. Ich war sehr nervös, aber alles lief gut. Ein Lokalpolizist zielte auf uns, aber als er unsere Waffen und Maskierungen sah, lief er davon."
In den zwei folgenden Jahren überfiel Casellas mehr als 50 Banken. "Es war eine Weise das zurückzuerkämpfen, was die Banken uns nahmen. Ich bereue nichts, ausser dass ich nicht genug genommen habe." Die insgesamte Beute belief sich auf an die 2 Millionen Pesetas. Ein Teil davon war für die anarchistische Gruppe, einen Teil behielt er bei sich und einen weiteren Teil liess er anonym armen Familien zukommen. Die Presse bezeichnete ihn als Robin Hood und die Polizei verlieh ihm den Spitznamen Dandy weil er sich gut kleidete. Den Guardias liess Casellas 5000 Peseten zukommen, als Entschädigung für den Schrecken.

"Wir verteilten uns und lebten gut. Ich organisierte alles und verwahrte auch die Waffen." Pistolen und Munition erhielt er über seine Kontakte zur Terra Lliure und den Grapo (Antifaschistische Kampfgfruppen ). Mit Terra Lliure teilte er den Unabhängigkeits,- und republikanischen Gedanken; mit den GRAPO verband ihn der Kampf gegen das System. Er hatte Freunde bei der ETA, und hat sie noch, obgleich er glaubt, dass sie sich in der Absurdität eines auswegslosen Kampfes verstrickt haben.

LA MODELO, 1979

Im Modelo von 1979 sehnte Casellas politische Wärme herbei. "Im zweiten Stockwerk waren wir, die Politischen der Linken und hier kontaktierte ich Leute der CNT, ETA und der Terra Lliure. Wir zeigten die Zähne. Im sechsten Stock waren die Gefangenen von Cristo Rey und anderen Gruppen der Ultrarechten." Casellas verbrachte dort drei lange Jahre bis er 1981 freigelassen wurde. "Ich fuhr damit fort Banken auszurauben, denn ich war mehr denn je vom bewaffneten Kampf überzeugt." Die Polizei brauchte ein Jahr um ihn zu schnappen und er wurde zu acht Jahren verurteilt.
Er kam ins Modelo und nahm am ersten Hungerstreik teil. Es war das Jahr 1982 und die PSOE (Sozialistische Partei; gegenwärtig ebenfalls an der Regierung) hatte soeben die Wahlen gewonnen... "Wir waren 2000 Gefangene im Hungerstreik, die eine humane Behandlung forderten und das erreichten wir auch." Trotz dieser Verbesserungen und der Übernahme der Gefängnisverwaltungen durch die katalanische Autonomieregierung 1984 radikalisierte Casellas sich und hatte bei seiner Entlassung 1985, voller Hass und Frustration, kein anderes Ziel, als den bewaffneten Kampf.

Dieser Hass und diese Frustration waren das Resultat der Behandlung seitens der Vollzugbeamten, die weitergingen, als er 1986, zu 30 Jahren verurteilt, erneut inhaftiert wurde und dachte, er würde niemals mehr freisein. Er begann den härtesten Kampf, mit vielen Hungerstreiks, von denen einer 74 Tage dauerte. "Die Beamten", sagt Casellas, "sind Kranke, kein Psychoanalytiker würde sie diese Arbeit tun lassen. Sie haben viel Macht und niemand zeigt sie an vor Angst. Sie sind die Ursache dafür, dass Menschen in den Gefängnissen zu Psychopathen werden. Es gibt Sadisten unter ihnen, die es geniessen, zu bestrafen, die die Todesstrafe befürworten und das amerikanische Gefängnissystem bewundern..., hauptsächlich in Quatre Camins, Can Brians, la Modelo und Lleida.

FOLTERUNGEN

Casellas war in allen katalanischen Gefängnissen, insgesamt in 16 und laut ihm ist Can Brians das schlimmste. "Heute", sagt er,"sind die physischen Misshandlungen nicht mehr so brutal, dafür aber findet jede Art von psychologischer Folter statt. In den 80ern jedoch habe ich Beamte gesehen, die bei ihren sexuellen Orgien Häftlinge vergewaltigten und Prügelstrafen, nach denen die Opfer sterbend liegengeblieben waren. Jetzt behalten sie stattdessen deine Post ein, lassen dich nicht telefonieren, genehmigen keinen Ausgang, verschärfen die Bürokratie und pferchen dich mit Leuten in eine Zelle, bei denen Konfrontationen vorabsehbar sind. Oder sie stecken dich in die Isolation"... Vom 11. Juli 2002 bis 11.Juli 2003 war Casellas in einer Isolationszelle in Can Brians: "Eine Ungerechtigkeit. Der Grund war, dass sie mich nicht im Hof haben wollten. Sie wollten verhindern, dass ich mit anderen Gefangnen verabredete, dass wir das, was geschah, anklagten. Ich hatte eine Rechtseingabe am Gericht von Barcelona gewonnen, aber das kostete mich ein Jahr Isolation (einziger Kontakt ein 15 minütiges Telefonat alle zwei Wochen)."
Casella schätzt, dass zwischen 1990 und 1999 hundert Tote in den Gefängnisse pro Jahr die Regel waren; tausende Häftlinge starben, nicht wenige durch Selbstmord, bedingt durch schikanöse, inhumane Haftbedingungen. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass viele von ihnen entlassen werden, wenn sie dem Tode nahe sind, so dass sie in den internen Statistiken nicht mehr auftauchen.
Es ist daher kein Wunder, dass allein Casellas sechs Fluchtversuche unternommen hat, vier davon erfolgreich.

Weitere aktuelle Probleme sind Drogen (von denen Amadeu Casellas bis heute frei geblieben ist), siehe:  http://de.indymedia.org/2008/07/223615.shtml und die extreme Überlegung: "Wir sind bis zu 10 Personen in einer Zelle mit ebensovielen Quadratmetern einschliesslich Waschbecken und WC." (siehe hierzu: http://de.indymedia.org/2006/10/158207.shtml ). Diverse Firmen profitieren überdies von der Ausbeutung Gefangener als billige Arbeitskräfte ( http://de.indymedia.org/2006/10/158484.shtml ).

 http://euskalherria.indymedia.org/eu/2008/08/52058.shtml

frei übersetzt und verlinkt: tierr@
www. tierra.bloggospace.de
(work in -irgendwann- progress)

Du musst sterben für die Menschen,
und ausserdem für Menschen, die du niemals gekannt hast,
und ausserdem ohne dass jemand dich zwingt, es zu tun,
und ausserdem wissend, dass das Schönste und Realste ist,
zu leben...
Nazim Hikmet

LINKS:
Isolationshaft in Spanien:
Spanien: Hartes Urteil
 http://de.indymedia.org/2008/07/222387.shtml
FIES - das spanische Foltersystem
 http://de.indymedia.org/2004/09/92520.shtml
 http://de.indymedia.org/2004/09/92518.shtml

Folter in Spanien
 http://de.indymedia.org/2008/07/222381.shtml
Foltern in katalanischen Gefängnissen (Spanien)
 http://de.indymedia.org/2007/11/200784.shtml
----------------------------------------------------------
Incomunicado
 http://de.indymedia.org/2007/02/167931.shtml
 http://de.indymedia.org/2007/02/167927.shtml
Basken: Erste "Nationale Versammlung Gefolterter"
 http://de.indymedia.org/2007/02/168229.shtml
 http://de.indymedia.org/2007/02/168851.shtml
Zwangernährung eine Form der Folter
 http://de.indymedia.org/2007/02/168357.shtml
Auch Lebenslänglich ist eine Art der Folter
 http://de.indymedia.org/2007/11/200771.shtml
Video über Folter und Misshandlungen im spanischen Staat auf You Tube:
 http://www.youtube.com/watch?v=UKACaBA0Yjc
Aktuelle Stellungnahme von Amnesty International zur Folter im Staat Spanien:
"Salz in der Wunde“: www.amnesty.de/länder;
Originalbericht:  http://web.amnesty.org/library/Index/ENGEUR410062007?open&of=ENG-ESP;
Feature:  http://web.amnesty.org/pages/esp-141107-feature-eng
Folter in Spanien - Bericht 2007
 http://de.indymedia.org/2008/07/222381.shtml
EU: Spanien foltert seine Kinder
 http://de.indymedia.org/2008/07/222894.shtml

Das GRAPO-Problem
PCEr - Folter 2006 und 2007:
 http://de.indymedia.org/2007/06/184481.shtml,
 http://de.indymedia.org/2006/07/152232.shtml
 http://de.indymedia.org/2006/06/151111.shtml


Protestbriefvorschläge

tierr@ 21.08.2008 - 15:54
Die Textvorschläge auch noch zu übersetzen, übersteigt aufgrund der Dringlichkeit gerade meine zeitliche Kompetenz. Sie sind höflich, verweisen auf die Situation von Casellas´, stellen die Rechtslage klar und fordern seine Freilassung unter Auflagen. Alles quasi wie im Briefvorschlag wie unter:  http://de.indymedia.org/2008/07/223615.shtml

Die Ausweisnummer anzugeben ist in Spanien bei solchen Protesten, im Gegensatz zu hier, üblich und soll also auch angeführt sein; geht natürlich auch ohne
Name, Nachname, Ausweisnummer


Hauptverantwortliche:
Dirección de los SERVEIS PENITENCIARIS
Albert Batlle i Bastardas
Fax 93 214 01 79
Weitere Instanzen:
 justicia@gencat.cat,
 conseller.governacio@gencat.cat,
 consellersaura@gencat.cat,
 vicepresident@gencat.cat,
 sindic@sindic.cat,
 gabinete@presidencia.gob.es,

Textvorschläge:
El Sr. Amadeu Casellas Ramón, interno en el Centro Penitenciario de Quatre Camins (Granollers), preso desde hace casi 30 años y sin delitos de sangre, ha iniciado el día 23 de junio de 2008 una huelga de hambre para demandar la concesión de la libertad condicional y se encuentra en estos momentos en la unidad penitenciaria del Hospital de Terrassa.
El Sr. Casellas ya lleva 2 meses en huelga de hambre, se encuentra en un estado crítico de salud y cumple todos los requisitos contemplados en el Código Penal vigente para la concesión de la libertad condicional (CP 1995, reformado por LO 7/2003 de 30 de junio):
-estar clasificado en el tercer grado.
-tener cumplidas las 3/4 partes de la condena.
-mostrar una conducta favorable.
Además el Sr. Casellas dispone de un amplio círculo de familiares y amig@s dispuestos a ayudarle en su reintegración social, así como de una oferta laboral.
Por todo lo anteriormente expuesto solicitamos el inicio con la mayor urgencia, de los tramites necesarios para la concesión de la libertad condicional al Sr. Amadeu Casellas Ramón.
Atentamente
Name, Nachname, Ausweisnummer
Ort , Datum 2008


Jueza del Juzgado Penal nº 2 de Manresa
Fax: 93 872 7105
A la atención de la Jueza del Juzgado Penal nº 2 de Manresa
Por el presente escrito, quisiera llamar nuevamente su atención sobre la delicada situación en la que se encuentra el Sr. Amadeu Casellas Ramon, actualmente preso en el centro penitenciario de Quatre Camins, en huelga de hambre desde hace 2 meses, y en estos momentos se encuentra en la unidad penitenciaria del Hospital de Terrassa.
Este Juzgado, ha resuelto denegarle su solicitud de limitación de condena, y por el presente escrito, quisiera instarle a que por cuestiones humanitarias, modifique la resolución limitándola a un cumplimiento de 20 ó 30 años, máximos contemplados en la ley; pues el Sr. Casellas lleva ya más de 20 años de condena, toda una vida, y de no resolver la solicitud en este sentido, estaría siendo condenado a una cadena perpetua. Cada día que pasa, su salud se agrava alarmantemente.
Sin otro particular que agradecer su atención y pronta resolución de esta solicitud, se despide atentamente.
(Name, Nachnahme, Ausweisnummer)
Ort , Datum

Síndic de Greuges de Catalunya
Sr. Rafael Ribó
Fax.- 93 3013187
Sr. Rafael Ribó
Síndic de Greuges de Catalunya
Por el presente escrito, quisieramos expresar nuestra alarma y preocupación por la situación del Sr. Amadeu Casellas Ramon, preso en el centro penitenciario de Quatre Camins, y en huelga de hambre desde ya hace dos meses. En estos momentos el Sr. Casellas ya ha perdido veintiocho kilos, su situación es muy delicada y ya se encuentra en la unidad penitenciaria del Hospital de Terrassa.
El motivo de dicha huelga, es su reclamación de que se ponga un límite a su condena, algo que nos parece del todo justo y razonable si tenemos en cuenta que, ya lleva veintidós años pagando condena; es decir, toda una vida. Creemos que el Sr. Amadeu Casellas ha pagado con creces su deuda con la justicia y que no se le puede condenar, de hecho, a una cadena perpetua.
El Sr. Casellas denuncia que "desde la prisión no me quieren aplicar lo que me corresponde como represalia por algunos hechos ocurridos muchos años antes" y asegura que el equipo de tratamiento "envía informes antiguos a las autoridades competentes, obviando los progresos conseguidos los años posteriores".
La situación todavía es más insostenible si tenemos en cuenta que la jueza del Penal 2 de Manresa, Érika López Gracia ha denegado su solicitud de refundición de condenas y ha dejado la "última palabra" a la respuesta de la Audiencia Provincial, demora que agravará la ya delicada salud del Sr. Casellas.
Por lo tanto, pues, esperamos que usted, como Síndic, mediará urgentemente en este asunto, antes de que las consecuencias sean irreversibles.
Atentamente,
(Name, Nachnahme, Ausweisnummer)
Ort , Datum 2008
 http://www.alasbarricadas.org/noticias/?q=node/8308

Verantwortlich für die Strafverkürzung ist:
Jutgat Penal nº2 de Manresa
C/ Alfons XII, nº7.
Jueza Erika López Gracia
Tlf. 93 872 82 77 Fax. 93 872 71 05.

Verantwortlich für die Anerkennung des 3. Haftgrades sind:
Dirección general de Servicios Penitenciarios.
C/ Aragón, 332 de Barcelona.
Secretario Albert Batlle y Bastardas
Tlf. 93 214 01 00 Fax. 93 214 01 79

Síndic de Greuges de Catalunya (katalanischer Ombuidsmann)
Albert Ribó
C/ Josep Anselm Clavé 31. 08002 - Barcelona
Tf.- 93 301 8075 Fax.- 93 3013187

Adresse des hungerstreikenden Gefangenen:
Amadeu Casellas Ramón
Hospital de Terrassa-Pabellón Penitenciario
Carretera de Torreblanca S/N
-08227-Terrassa-Barcelona

Public Domain Dedication Dieses Werk ist gemeinfrei im Sinne der Public Domain

 

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