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Alltag und Zustände im Knast von Andrea

Der Knastalltag ist geprägt von Monotonie und Schikane, Besuchstermine werden regelmäßig kurzfristig verschoben oder abgesagt, was es sehr erschwert einen kontinuierlichen Kontakt zwischen "Drinnen" und "Draußen" aufrecht zu erhalten. Post wird aufgemacht und je nach Schikanelust der Schließer_innen zum Inspizieren weitergeschickt. Ihr wird nicht mitgeteilt, wenn Post nicht durchkommt. Lange bürokratische Wege erschweren grundsätzlich die Kommunikation aber auch das Reinschicken von Büchern oder CD's.

Jeden Morgen Punkt 6 Uhr wird geweckt und gecheckt , sie nennen es „Lebendkontrolle“. Danach folgt eine Stunde, im Bürokratenjagon: „Versorgungsaufschluss“, was bedeutet, dass die Gefangenen eine Stunde Zeit zum Frühstücken und heißem Wasser holen haben. Es gibt keine Wasserkocher auf der Zelle und Termoskannen sind nicht erlaubt. Meist werden die Frauen von männlichen Schließern geweckt. Begründung: Im Knast herrscht Personalmangel.

Um 7 Uhr wird die Zelle wieder geschlossen, außer bei denen, für die der Sklavinnen-Arbeitstag beginnt. In der JVA Pankow herrscht Arbeitszwang. Bei der Arbeit, die von den Gefangenen in Pankow gemacht wird, handelt es sich um das Sortieren von Computerschrott aus einem angeblich sozialen Zentrum „Wille“ in der Wilhelmstr.115 in Berlin. Eine andere Billigstlohnarbeitsmöglichkeit ist das Reinigen des Knastes, das Essen hochschleppen, Büros aufräumen, Klos putzen. Typische Frauenarbeit und das auch noch für die Schließer_innen und die Leute, die dafür sorgen, dass frau eingesperrt bleibt. D.h. ca. sieben Stunden arbeiten, wofür jede Frau ganze 7-9 Euro pro Tag abzüglich Steuern erhält. Renten- und Sozialversicherungsbeiträge existieren nicht. Je nachdem wie lange frau
im Knast sitzt macht sich das dann später bei der Rente bemerkbar oder bedeutet schlichtweg Altersarmut, wovon in unserer Gesellschaft vorwiegend Frauen betroffen sind. Ganz besonders pedantisch gehen sie im Knast mit Fehlzeiten um. Von dem schwer verdienten Geld kann Frau sich dann auch mal was im überteuerten Knastshop leisten, der übrigens von einem Edeka in Lichtenrade beliefert wird. Ab und zu dürfen die Frauen im Knast auch mal für Firmen wie Swarovski (eine grosse renommierte Kristall, Porzellan und Schmuck und vieles mehr Produktionsfirma) arbeiten, dabei springen dann ganze 50 Cent für 1000 gefaltetete Papierrosen heraus. Wenn sich die Frauen beschweren wird ihnen vorgehalten, dass sie sich vorher nicht erkundigt haben. Andrea weigert sich Sklavenarbeit für das kapitalistische System und für den Staat zu leisten. Deshalb wird von Seiten der Anstaltsleitung versucht, sie mit Bestrafungen zum Arbeiten zu bringen. So wird ihr z.B. der Knast-Kioskeinkauf faktisch untersagt, da nur mit dem bei der
Knastarbeit verdienten Geld dort eingekauft werden darf. Das Kanst hat nun Andrea schriftlich mitgeteilt, dass sie ab Juni 2008 ein
Haftkostenbeitrag von 368,25€ für Kost und Logis an den Knast bezahlen soll (45 Euro Frühstück, 80 Euro Mittag und Abendstulle und 163,25€ für die Zelle). Die Verweigerung von Sklavenarbeit wird auch als Druckmittel für die 2/3 Strafe genutzt. Denn wenn es keine Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden gibt, wird es auch keine Hafterleichterungen geben.

Mittags ist eine halbe Stunde Aufschluss um sich Essen zu holen. Käse und Wurst werden für die Stulle ausgegeben , die als Abendessen auf der Liste der Haftkarten mit 2,70 Euro auftauchen (mit Käse ist meist Schmelzkäse gemeint). 3x die Woche gibt es Suppe mit total verkochtem Gemüse (Resteverwertung). An den übrigen Tagen gibt es Fleisch, vegetarische Schnitzel mit gedämpften Kartoffeln, die nach Kloake stinken (selbst Kartoffeln ungenießbar zu kochen ist echt eine Leistung). Alle zwei Wochen gibt es dann ein bisschen Abwechslung: Reis oder Nudeln. Die Tomatensauce besteht aus rotem Farbstoff. Das einzige was nicht verkocht ausgegeben wird sind 1-2 mal Orangen oder Äpfel in der Woche, einmal Tomaten im Monat. Vitamine Fehlanzeige. Viele haben Bauchschmerzen und Hautproblemen wegen Mangelernährung. Auch für Andrea hat es gesundheitliche Probleme zur Folge, da sie keine Möglichkeit hat zusätzliche Vitamine, in Form von Obst oder Gemüse im Knastshop kaufen.

Bedenkt frau die Knastatmosphäre: Keine Freiheit, wenig Bewegung im Knast und im Hof, schlechtes Essen und Stress, wird klar, was ein Vitaminentzug für schlimme physische Konsequenzen haben kann.

12.45-15.30 Uhr Einschluss 15.30 -21.15 Uhr Aufschluss

Ab 15.30 Uhr beginnt die sog. Freizeit oder besser gesagt „Unfreizeit“. Im Angebot sind, je nach dem, 1-2 Freistunden im Hof zwischen 17 -19 Uhr, TV im Gruppenraum, 1 Stunde Fitnessraum mit Hanteln und mehr oder weniger defekten Geräten (1-2), Literaturkreis für Schriftstellerinnen, wer will kann in der Kirche auch Klavierspielen lernen. Obwohl die Gefangenen schon weggesperrt sind werden auch noch die Bewegungsmöglichkeiten im Knast auf ein Mindestmaß beschränkt. Es gibt zwar einen Sportraum in der JVA Pankow, dieser darf jedoch erst ab zwei Personen genutzt werden – die Geräte sind jedoch nicht mehr wirklich benutzbar. Dadurch ist jede Gefangene darauf angewiesen, eine zweite zu finden, die auch Sport machen möchte. Da dies nicht oft der Fall ist, bleibt der Raum kurzerhand ganz geschlossen. Umso schlimmer, dass Andrea der Besitz einer Yogamatte, Sportschuhe und Gymnastikbändern verweigert wird. Für die Bibliothek gilt die gleiche Einschränkung - mindestens zwei Personen! Die Gefangenen können während der Umschlusszeit telefonieren - es gibt allerdings nur ein Telefon. (Die hohen Telefongebühren und in vielen Knästen und auch die hohen Kioskkosten in vielen anderen Knästen sind der Knastmonopolprivatfirma Telio zu verdanken). An Feiertagen gibt es Angebote besondere Art und zwar Mi-Mi - Feste, d.h. Kaffee trinken und Grußkarten basteln.

Eine Kunstwerkstatt oder sog. Antigewalt-Workshops werden auch angeboten, allerdings landen die gewonnenen Informationen bei
Psychologen und Co des Knastes, so dass diese Angebote nicht wirklich verlockend sind. Zudem finden die Workshops auf einem Niveau statt, das einer Verarschung nahe kommt, wie z.B. Anpusten der Nachbarin direkt ins Gesicht. Wenn sie nicht zuschlägt, hat sie etwas gelernt. Die Honorare, die die Teamer_innen solcher Workshops erhalten, liegen wohl höher als die Taschengelder, die hier für die Zwangsarbeit zugeteilt werden. Alle zwei Wochen ist eine Therapeutin vor Ort. Viele Frauen mit Langzeitstrafen sind auf Psychopharmaka. Damit alle schön ruhig sind und keinen Ärger machen werden Schmerztabletten wie Bonbons verabreicht. Therapien = Fehlanzeige, hierfür gibt es nur wenige Plätze und meist sind diese da um Wiederholungstaten zu vermeiden. Die Hauspsychologin ist eine Ladenhüterin, sie macht keine angemessenen Einzeltherapien, erkennt Suizidegfährdung oder Selbstverletzung gar nicht oder selten. Wenn es zu auffällig wird, werden die Betroffenen flugs in die nächste Zwangsanstalt namens Psychiatrie verlegt. Wenn Frauen über Depressionen klagen, wird ihnen auch mal gesagt: „Was hast du denn? So schlimm kann es doch nicht sein, Du hast es doch warm und es gibt etwas zu essen“ und anderen wird gesagt: „So lange bist Du doch gar nicht drin, andere bleiben viel länger.“

Bis vor einigen Jahren gab es zwei Stunden Besuch pro Monat, jetzt sind es schon vier, also richtig fortschrittlich, laut StvollzG? muss nämlich nur eine Stunde gewährt werden.

Ein großes Problem ergibt sich für die Gefangenen z.B. auch wenn Besucher_innen nur zu Zeiten kommen können, in der die Gefangene arbeitet oder wenn Besucher_innen zu weit weg wohnen. De facto kann dann die/der Besucher_in nicht kommen, da es auch nicht die Möglichkeit gibt Besuche am Samstag zu empfangen. Begründung ist hier Personalmangel. Leute unter Alkoholeinfluss werden grundsätzlich nicht reingelassen.

Im Knast hagelt es von lebenslangen Besuchsverboten bei renitentem Verhalten der Gefangenen, vor allem wenn es zu einer Beleidigung oder Bedrohung der Schließer_innen kommt („ich habe mir dein Gesicht gemerkt“). Diesbezüglich sind die Beamten wahnsinnig empfindlich, fühlen sich missverstanden und leiden unter der Missachtung ihrer Person.

Während der Andrea-Geburtstagskundgebung am 08.05.2008 beispielsweise wurde Andrea in ihre Zelle eingesperrt und bekam zu hören, das sie ja schon wüsste warum die Tür zu wäre. Auf Nachfrage wieso andere auf der Station jedoch raus könnten, kamen antworten wie: „Ich kann nichts machen, es kommt von oben, aber ich kann Sie verstehen und später hoffe ich sind sie uns nicht böse… ach ja und es wird befunden, dass es draußen eskalieren könnte oder die Frauen hier drin durchdrehen könnten.

Das Sozialamt oder Jobcenter könnte in bestimmten Fällen u.a. bei Gefangenen mit Kindern die Miete etc. während der Haftzeit übernehmen. Die Bürokratie jedoch spielt den Gefangenen im Knast besonders übel mit. Ständig verschwinden Formulare spurlos und müssen erneut ausgefüllt werden. Anträge ans Sozialamt und Jobcenter kommen selten dort an. Das führt dann häufig zu Strom- und Gasabstellung bis hin zum Verlust der Wohnung wegen entstandenen Mietschulden. Dass hierdurch Angehörige in enorme Zahlungsschwierigkeiten gebracht werden ist eine logische Folge. Der Sozialarbeiterin Frau Gutmann scheint das auch ziemlich egal zu sein, sie droht Andrea lieber mit Floskeln wie, „mit Ihnen werden wir hier auch noch fertig“ und ist sauer, dass Andrea ihren fünfseitigen Lebenslauf verweigert zu schreiben. Das speigelt sich im Vollzugsplan wieder, indem kaum Angaben über Andrea gemacht werden und sie auch ohne Berufsausbildung eingestuft wird, was nicht stimmt. Aber gut, dass aus diesem Halbwissen über eine Person ein zukünftige Sozialprognose gemacht werden soll.

21.15 Uhr Nachteinschluss

Latest News aus dem Knast:


1. Am 20.Juni mussten wir erfahren, dass in der Zelle neben Andrea eine National-Sozialistisch gesinnte Frau wegen Nichtzahlen einer Geldstrafe Hafttsrafe absitzen soll. Diese nicht so angenehme Person vertreibt sich den Tag, indem sie Menschen aufs übelste beschimpft, anmacht und bedroht. Folgende Übergriffe fanden durch Franziska Ludwig im Laufe ihrer kurzen Inhaftierung statt. Von ihrer Zelle aus beschimpfte sie Frauen mit Migrationshintergrund mit rassistischen und bedrohenden Parolen wie: "Scheiß Fidschis, alle vergasen, alle aufhängen", jetzt verstehe sie, dass sie Amis Napalm erfunden haben, wenn ich Euch zwischen die Finger bekomme seit ihr dran“. Eine Frau, die gerade beim Aufhängen von Wäsche im Hof war, wurde von ihr mit Scheiße beschmissen und mit "Häng dich auf, dann muss ich es nicht machen" beschimpft. Sie beantragte daraufhin die Verlegung in einen anderen Job. F.L. hatte während ihrer Haftzeit keinen Umschluss. Ihr wurde jedoch gestattet, pro Tag den Hof für eine bis drei Stunden zu begehen. Während eines Hofgangs, kippte sie Aschenbecher in die Waschküche und spritzte mit einem herumliegenden Schlauch in dieselbe hinein. Dort arbeitete zu diesen Zeitpunkt eine Frau mit migrantischen Hintergrund. Ein anwesender Schließer unternahm nichts. An einem Morgen um fünf Uhr spielte F.L. Musik mit faschistischen und rassistischen Texten. Um die Wirkung zu verstärken stellte sie die Boxen auf das Fensterbrett und die Lautstärke extrem hoch, sodass der komplette Hof beschallt wurde. Nachdem Andrea versucht hatte, dieser Musik auf gleiche Weise etwas entgegenzusetzen, wurde ihr (Andrea) der Strom abgestellt. Daraufhin wurde das Radio von Franziska Ludwig durch Andrea und eine andere Gefangene mit dem Wasserschlauch vom Hof aus attackiert und untauglich gemacht, was zur Folge hatte, dass ihr Hofgang ausfiel. Obwohl F.L: mehrmals aufgefordert wurde ihre Gewichte im Sportraum abzunehmen, tat sie es nicht, was zur Folge hatte, dass sie eines Tages versteckt wurden. Die Bestrafung folgte wieder in Richtung Andrea, sie durfte nicht mehr den Sportraum benutzen und ihr wurde Provokation vorgeworfen. Die Idee der Knastleitung, das Problem zu lösen: Andrea wurde angeboten, in den U-Haft-Trakt zu wechseln, was für sie weniger Bewegungsfreiheit im Knast und eingeschränkteren Umschluss bedeutet hätte. Die Leiterin des Knastes Frau Leuschhorn redet das Problem klein; will ersnthaft von den Betroffenen Frauen direkt hören, ob sie sich bedroht fühlen. Was für eine Frechheit überhaupt die Frage zu stellen, ob sich frau bedroht fühlt, wenn sie auf rassistische Weise verbal und körperlich angegriffen wird. Und es ist zweitens sehr schwierig , da Sprachbarrieren existieren, Dolmetscherrinnen werden nicht oder nur äußerst selten beauftragt. Auch die Schließerinnen unternehmen nichts gegen F.L.: sie sind "zu wenige", ihnen sind "die Hände gebunden", sie wollen sich nicht "zusammenschlagen lassen", und einige fanden es auch ganz amüsant. Andrea wird Provokation vorgeworfen, wenn sie Forderungen zur Unterbindung von Rassismus stellt oder aktiv versucht gegen die nationalsozialistische Frau was zu tun. Knastleitung und Schliesserinnen sind die Hände gebunden, sind die ANTWORTEN. Nachdem von aussen Druck ausgeübt wurde, kam es zur Freilassung von F.L. Hier zeigt sich ganz deutlich, wie Represionsbehörden den Faschismus systematisch organisieren.

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Andrea soll ab August Kost und Logis im Knast selbst tragen. (368 Euro) Das werden wir verhindern!

Solidarische Grüße an alle gefangenen weltweit von der Andrea Soli Gruppe power durch die mauer bis sie bricht

 http://freeandrea.blogsport.de/

Soliarbeit kostet Geld! Spendet:

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BLZ: 100 200 00
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